Nachschlag für Internet-Betrüger „Dr. Apple“

Lüdenscheid -  Nachschlag für „Dr. Apple“: Dem unter diesem Namen bekannt gewordenen 47-jährigen Internet-Betrüger aus Lüdenscheid steht der nächste Strafprozess bevor. Vor exakt sechs Monaten war der Mann nach der Rückkehr aus Brasilien am Frankfurter Flughafen festgenommen worden. Das Erweiterte Schöffengericht eröffnet die Hauptverhandlung am 13. November.

Von Olaf Moos

Rückblick: In weit mehr als 100 Fällen hat der Mann hochwertige Computer, Handys und Unterhaltungselektronik im Internet angeboten, ohne die Ware zu besitzen. Kunden bissen an, bezahlten – und warten bis heute auf ihre Ware. Mehrere Betrugsprozesse wurden anberaumt. Doch „Dr. Apple“ entzog sich Vernehmungen, begab sich mehrfach eilig in die Obhut von Psychiatern des Klinikums Hellersen, berichtete über Rückenbeschwerden, wegen derer er nicht verhandlungsfähig sei – und betrog derweil munter weiter.

Im Frühjahr 2013 sollte ihm abermals der Prozess gemacht werden. Er floh zunächst in die Psychiatrie und von dort aus mit Frau und kleinen Kindern nach Brasilien. Etwa ein Jahr lebte er in der 1,5 Millionen-Metropole Recife. Nach LN-Informationen brachte er mit seiner Masche auch dort ahnungslose Kunden um ihr Geld.

Am 24. März dieses Jahres meldete sich „Dr. Apples“ Rechtsanwalt bei den Behörden und kündigte an, sein Mandant wolle sich stellen. Am 26. März um 7.30 Uhr klickten auf dem Frankfurter Airport die Handschellen. Der Lüdenscheider landete zunächst in der Untersuchungshaft in Hagen.

U-Haft darf in Deutschland nicht länger als sechs Monate dauern. Doch entlassen wurde der Betrüger gestern nicht. Stattdessen trat der Familienvater eine zweijährige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Schwerte an, die er nach einem Urteil des Amtsgerichts verbüßen muss. Ein weiteres Jahr Strafhaft ist ebenfalls noch offen und muss abgesessen werden. Inzwischen wurde der Lüdenscheider nach Angaben aus der Staatsanwaltschaft insgesamt dreimal verurteilt – nach der Aufklärung von bundesweit 49 Verfahren.

Im Falle einer Verurteilung im aktuellen Verfahren drohen „Dr. Apple“ weitere Jahre im Gefängnis. Nach Auskunft von Justizsprecher Jan Schulte hat das Amtsgericht acht schwebende Verfahren zusammengeführt und wird ab 13. November, 9 Uhr, über insgesamt 29 Betrugsvorwürfe der Staatsanwaltschaft Hagen verhandeln.

Die weiteren Prozesstermine sind der 19., 20. und 27. November.

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