4773 Genehmigungen

Nachfrage nach kleinen Waffenscheinen im MK gesunken - Dunkelziffer die große Unbekannte

Grafik zu Kleinen Waffenscheinen
+
Die Zahl der Kleinen Waffenscheine steigt weiter, doch die Nachfrage hat nachgelassen.

Die Nachfrage nach Kleinen Waffenscheinen ist im vergangenen Jahr im Kreisgebiet deutlich gesunken. Während sich 2019 noch 391 Frauen und Männer um die behördliche Erlaubnis bemüht hatten, waren es 2020 noch 222 Antragsteller. Aktuell ist es 4773 Menschen im Kreis polizeilich gestattet, Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen auch außerhalb der eigenen Wohnung bei sich zu tragen.

Märkischer Kreis - Die Waffen müssen von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) zugelassen und mit dem entsprechenden PTB-Prüfzeichen versehen sein. Zum bloßen Erwerb einer Waffe mit PTB-Prüfzeichen und der zugehörigen Munition genügt in Deutschland die Volljährigkeit – Erwerb und Besitz sind erlaubnisfrei. Rechtlich eingeschränkt ist das Mitführen der Waffe in der Öffentlichkeit.

Polizei prüft Zuverlässigkeit der Antragsteller

Die Polizei macht die Erteilung der Erlaubnis und die Aushändigung des Kleinen Waffenscheins von festen Bedingungen abhängig. Wer den Schein haben will, darf keine Vorstrafen haben. Ausgenommen sind Freiheitsstrafen, Jugendstrafen oder Geldstrafen von weniger als 60 Tagessätzen. Außerdem muss ein Antragsteller sich verpflichten, seine Waffen sicher aufzubewahren. Er muss volljährig sein und darf keine Suchterkrankung haben.

Zur Klärung der Zuverlässigkeit holt die zuständige Behörde die Stellungnahme der örtlichen Polizei, einen Auszug aus dem Zentralen Staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister sowie einen Auszug aus dem Bundeszentralregister und seit dem 20. Februar 2020 auch eine Abfrage beim Verfassungsschutz zur Person des Antragstellers ein.

Niedriger als im vergangenen Jahr war die Zahl der Inhaber eines Kleinen Waffenscheins nach Angaben des Pressesprechers der Polizei, Marcel Dilling, zuletzt 2014. Da beantragten 184 Bürger die Erteilung der Erlaubnis.

In diesem Zeitraum waren gerade einmal 1758 Kleine Waffenscheine im Kreisgebiet ausgestellt. Nicht viel mehr waren es 2015, als die Polizei insgesamt 1942 Märkern erlaubte, eine Waffe in der Öffentlichkeit zu tragen.

Antragsflut nach Kölner Silvesternacht

Dann kam der Jahreswechsel 2015/-16 und mit ihm auf der Kölner Domplatte der massenweise sexuell motivierte Übergriff auf Passantinnen – vornehmlich durch junge Männer aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum. Die Zahl der Anträge auf Erteilung des Kleinen Waffenscheins nahm bundesweit sprunghaft zu.

Im Märkischen Kreis stieg die Quote um 1358 Neueintragungen auf insgesamt 3300. Als weiteres Motiv galt die wachsende Angst vor Terroranschlägen.

Auch die Befürchtung, Opfer von Einbrechern zu werden und seinen Besitz notfalls mit Waffengewalt verteidigen zu müssen, spielte laut Wikipedia-Eintrag allgemein eine Rolle. Doch im Kreisgebiet verzeichnete die Polizeibehörde 2016 laut Pressesprecher Dilling eher einen Rückgang der Zahl von Einbruchs-Diebstählen. Die Zahl der Neueintragungen sank bis Ende ‘16 auf 553. Damit waren 2017 insgesamt 3853 Kleine Waffenscheine im Kreis im Umlauf.

Im Laufe des Jahres 2017 zeigte die Kurve im Hinblick auf Neueintragungen mit 307 weiter nach unten und stieg erst 2018 wieder, diesmal auf 391 – bevor die Quote 2020 auf schließlich 222 abnahm. Wie viele Waffen es tatsächlich in Privathaushalten gibt, ist nicht bekannt, weil der Erwerb von PTB-Waffen offiziell nicht registriert wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare