Nachbarschaft in Corona-Zeiten: Kirche macht Platz für Restaurant

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Im Schatten der Erlöserkirche:Nachbarschaftshilfe für die Gastronomie.

Lüdenscheid - Über mancher Gastronomie steht in diesen Tagen ein Fragezeichen. Wie wird es weitergehen? Auch deshalb hatte die Kommunalpolitik gemeinsam mit der Stadt Weichen gestellt, um es den Betrieben zu erleichtern, mehr Freiluftsitzplätze anzubieten.

Wenn das Wetter mitspielt, könne man so am ehesten die Umsätze steigern, lautete die Überlegung in den interfraktionellen Sitzungen zur Bewältigung der Corona-Folgen. 

Einige Wochen nach dieser Ermutigung seitens der Stadt, solche Genehmigungen zu erleichtern, sei das „Interesse überschaubar“, sagte Stadtsprecher Sven Prillwitz jedoch auf Nachfrage. Vor allem am Rathaus- und Graf-Engelbert-Platz habe es demnach Erweiterungen gegeben. Die offensichtlich verhaltene Nachfrage zeigt, dass sich der Gastraum unterm Himmelszelt aus unterschiedlichen Gründen eben nicht beliebig ausdehnen lässt. Zusätzliche Tische erfordern zusätzliches Personal, die Rettungswege der Feuerwehr bleiben eine natürliche Grenze, und auch Park- können nicht einfach in Sitzplätze umgewandelt werden – weil dann Parkmöglichkeiten für Gäste fehlen. Manche Gastronomen scheuen zudem den Aufwand, Mobiliar – etwa für Markttage – ab- und wieder aufbauen zu müssen, ganz abgesehen von den Anschaffungskosten für zusätzliche Tische und Stühle.

Wo eine Erweiterung in gut nachbarschaftlicher Absprache funktioniert, ist am Kirchplatz zwischen der Versöhnungskirchen-Gemeinde und dem Gasthaus Zum Schwejk. Den „Versuch eines Brückenbaus“ nennt das Pfarrer Holger Reinhardt. Es gebe ein Gentlemen’s-Agreement, eine Absprache, wonach der Schwejk-Betreiber einen kleinen Bereich des Kirchplatzes zusätzlich für Tische nutzen dürfe. Die Folge ist ein stimmungsvolles Ambiente für die Gäste im Schutze des Kirchturms. „So hat der Kirchplatz wirklich gewonnen“, findet der Erlöserkirchen-Pfarrer. „Und durch Corona hat die Gastronomie sehr gelitten.“ Man habe eigens eine Whatsapp-Gruppe gegründet, über die sich alle Beteiligten zwecks Nutzung abstimmten. Kirchenveranstaltungen hätten natürlich Vorrang, sagt der Pfarrer.

Dass es in Pandemie-Zeiten nicht einfach ist, Pächter für das Abenteuer Neueröffnung zu finden, spürt auch die Brauerei Vormann. Der gehört in der Bergstadt unter anderem die Traditionsgaststätte Reidemeister. Man habe nach wie vor zwei vielversprechende Interessenten, sagt Rolf Schmacke, dessen Hagener Immobilienbüro mit der Verpachtung betraut ist. Aber zum Abschluss sei es bislang nicht gekommen. Auch die Renovierung des denkmalgeschützten Gebäudes nach dem massiven Wasserschaden ist noch nicht abgeschlossen. Sicherungsmaßnahmen an der Fassade deuten auf den letzten Schritt hin: Das Gebäude werde eingerüstet, sagt Christian Vormann, die Fassade ertüchtigt.

Wie es in der ebenfalls denkmalgeschützten Gaststätte Dahlmann samt Saal weitergeht, dazu gibt Eigentümer Jürgen Rolf gegenüber den LN keine Auskünfte. Bekanntlich musste die langjährige Wirtin Christiana „Nanni“ Lange im Juni ausziehen. Mittlerweile ist sie im Kirchhahn am Vogelberg. Zu Jahresbeginn hatte es geheißen, der Vertrag mit einem neuen Pächterpaar sei bereits unterschrieben, der Standort bleibe. Aber noch sind die Lichter an der Grabenstraße aus. 

Große Fragezeichen auf den Schaufenstern schüren – durchaus gewollt – das Rätselraten um die Zukunft des früheren Schubidu-Gebäudes am Graf-Engelbert-Platz. Bis zur Auflösung dürfte es September werden. Tischlermeister Dennis Lewandowski, neuer Eigentümer des Altstadthäuschens, gibt sich geheimnisvoll bezüglich der künftigen Nutzung. D. Lewandowski firmiert allerdings laut Aushang auch als Inhaber der Weinbar Tropf & Krümel ein paar Häuser weiter, eine Nähe zur Gastronomie scheint vorhanden. Ob der Engelbert-Platz also seine Stärke als Gastronomiestandort in der Oberstadt weiter ausbaut, wird sich zeigen, wenn aus dem Fragezeichen ein Ausrufezeichen wird.

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