Nachbarn wehren sich gegen absolutes Halteverbot - mit eigenen Schildern

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Auch die Mülltüte nützt nichts: Klaus Zedler und seine Nachbarinnen Alana Renk-Schmitz (links) und Aicha El Bariaki sind sauer auf die Stadtverwaltung.

Lüdenscheid - „Eigentlich wohnen wir hier am Ende der Welt.“ Aicha El Bariaki und ihre Nachbarn sind zufrieden mit ihrer Wohnlage am Freisenberg. Der Paolaweg ist eine kleine Sackgasse im Grünen, vier Mietshäuser mit jeweils vier Parteien, Rasenflächen dazwischen, Spielgeräte für Kinder. Und ausreichend Parkplätze. Doch jetzt hat die Stadt für den kompletten Paolaweg ein absolutes Halteverbot erlassen – „aus dem Nichts“, wie Nachbar Klaus Zedler sagt.

Angenehme Gewohnheiten gehören seither der Vergangenheit an: wohnungsnahes Parken, die Einkäufe oder den Kinderwagen auf kurzem Weg ins Haus schaffen, keine Parkplatzsuche in den umliegenden Straßen, wo zahlreiche Gewerbebetriebe wirtschaften. Es war eine heile Welt. 

Anwohnerin Alana Renk-Schmitz: „Und plötzlich stand dieses Schild hier. Und kurze Zeit später gab es die ersten Knöllchen vom Ordnungsamt.“ Die Nachbarn in der in den 60er-Jahren errichteten Wohnanlage – hier lebten früher Soldaten der belgischen Garnison – versuchten trickreich, sich zu helfen. 

Einer pappte einen Aufkleber auf das Verkehrszeichen: „Parken nur für Mieter“. Das eigenmächtige Schild auf dem Schild wurde entfernt. Kurz darauf stülpte jemand einen gelben Müllsack über den Schildermast und malte einen dicken Smiley darauf. Doch auch das setzt das absolute Haltverbot laut Stadtpressesprecher Sven Prillwitz nicht außer Kraft und verhindert kein Strafmandat. 

„Parken auf Grünflächen ist nicht erlaubt“

Also stellten einige der Anlieger ihre Autos auf ein Wiesenstück zwischen den Häusern. Doch auch dafür gab es Knöllchen. Prillwitz: „Parken auf Grünflächen ist nicht erlaubt.“ 

Erste Vermutungen der Nachbarn, die Feuerwehr wolle eine Aufstellfläche für Einsatzfahrzeuge frei halten, bestätigen sich nicht. Wie der Pressesprecher der Verwaltung erklärt, geht das absolute Halteverbot auf eine Eingabe des Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetriebes (STL) zurück. 

„Es wurde für die Fahrer immer schwieriger, bei der Müllabfuhr, der Abholung von Sperrgut oder auch im Winterdienst zu rangieren.“ Die Stadt habe eine Erschließungspflicht für öffentliche Verkehrsflächen. Die zu erfüllen, sei bei einer Fahrbahnbreite von gerade einmal drei Metern nicht anders möglich als mit der aktuellen Maßnahme. 

"Parkdruck wird unnötig verstärkt"

Klaus Zedler hat Fragen. „Was ist, wenn jemand von uns ein Taxi bestellt? Was ist mit Handwerkern? Was mit Zeitungszustellern?“ Er wohnt seit fünf Jahren „am Ende der Welt“, es habe nie Probleme gegeben. Jetzt werde der Parkdruck auf den umliegenden Straßen noch unnötig verstärkt. 

Ein weiterer Kritikpunkt: „Niemand hat vorher mit uns gesprochen oder die Maßnahme wenigstens angekündigt oder erklärt.“ Aus der zuständigen Hausverwaltung sei die Antwort gekommen: „Da können wir nichts machen.“ 

Ein Brief an die Stadtverwaltung, unterschrieben von 15 Mietern, sei zwar abgeschickt worden. „Aber auf eine Antwort warten wir bis heute.“ Sven Prillwitz führt das Schweigen im Rathaus auf eine „verwaltungsinterne Kommunikationspanne“ zurück.

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