Ladendiebstahl: „Honoriger Mann“ kämpft weiter

Symbolbild Gericht4 Urteil Justiz Dateiname: Symbolbild Gericht4 Urteil Justiz

Lüdenscheid - Das Verfahren zieht sich in die Länge: Nicht nur der 69-jährige Kaufmann, der am 20. Mai wegen Ladendiebstahls verurteilt wurde, ist mit der Entscheidung des Strafrichters nicht einverstanden. Am Mittwoch wurde bekannt, dass auch die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Urteil eingelegt hat.

Setzt sich der Ankläger mit seiner Argumentation in der zweiten Instanz durch, dürfte die Strafe für den Angeklagten noch weitaus höher ausfallen als die ursprüngliche Verurteilung zur Zahlung von 600 Euro.

Anzahl der Tagessätze sei zu gering

So hält der Staatsanwalt die Anzahl von 20 Tagessätzen für zu gering. Der Angeklagte, so die Begründung, sei bei seinem Diebstahl im Saturn mit „krimineller Energie“ vorgegangen und habe die Tat „planmäßig“ begangen.

Lesen Sie dazu auch:

- "Honoren Mann" beim Klauen erwischt

- 69-Jähriger geht in Berufung

Bekanntlich soll der – von einem Verteidiger als „honoriger Mann“ bezeichnete – Lüdenscheider den Saturn-Markt mit einer leeren Verpackung einer Druckerpatrone betreten und versucht haben, den Laden mit einem vollen Karton wieder zu verlassen. Bei einer Durchsuchung waren zerrissene Schnipsel des Kartons in einem seiner Schuhe gefunden worden.

"Falsche Angaben zu Vermögensverhältnissen"

Nicht nur die Anzahl, auch die Höhe der Tagessätze hält die Anklagebehörde für „unangemessen niedrig“. Denn der Angeklagte habe in erster Instanz „bewusst falsche Angaben zu seinen Vermögensverhältnissen“ gemacht, heißt es.

Im Prozess gab der 69-Jährige, der in Lüdenscheid als wohlhabend gilt, sein monatliches Einkommen gegenüber Strafrichter Andreas Lyra mit 437 Euro an. Dabei habe er erhebliche Einkünfte, die aus Grund- und Immobilieneigentum stammen, vorsätzlich verschwiegen, so die Staatsanwaltschaft.

Angeklagter konsultiert renommierten Strafverteidiger

Inzwischen lässt sich der Angeklagte von dem renommierten Dortmunder Strafverteidiger Dr. Wilhelm Krekeler vertreten. In Justizkreisen wird gemutmaßt, Krekeler strebe eine Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldsumme an.

Der Berufungstermin findet am 6. Februar ab 9.30 Uhr in Saal 147 des Landgerichts in Hagen statt.

Doch damit müsste sich auch der Staatsanwalt einverstanden erklären. In Frage steht außerdem, ob es rechtlich vertretbar ist, als Beschuldigter der Zahlung einer Geldauflage zuzustimmen, wenn man gleichzeitig jeglichen Vorwurf bestreitet. - von Olaf Moos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare