Nach übler Folter erneute Verurteilung

LÜDENSCHEID ▪ Am 12. November 2007 erlebte ein damals 44 Jahre alter Industriemeister die schrecklichste Nacht seines Lebens. Stundenlang hatte ihn ein Lüdenscheider im Beisein mehrerer Heroin-Junkies gefoltert, eingesperrt und mit dem Tode bedroht. Der Peiniger, ein knasterfahrener Totschläger und Drogendealer, hat seine Strafe bekommen und sitzt für drei Jahre und neun Monaten hinter Gittern. Seiner Mittäterin, der gefährlichen Körperverletzung angeklagt, sollte gestern der Prozess gemacht werden.

Doch die 29-Jährige glänzte mit Abwesenheit. Der Vorsitzende des Schöffengerichtes, Amtsrichter Jürgen Leichter, macht ausnahmsweise kurzen Prozess – und erlässt nach einem kurzen Rechtsgespräch zwischen Verteidiger und Staatsanwalt einen Strafbefehl: ein Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung. Dabei bezieht er ein Urteil ein, das sich die Frau beim Amtsgericht Essen wegen zweifachen Diebstahls und Unterschlagung eingehandelt hat. Außerdem muss sich die Lüdenscheiderin einer stationären Drogentherapie unterziehen.

Während die Juristen den Fall ohne die „Hauptdarstellerin“ beraten, fährt am Seitentrakt des Amtsgerichts ein Wagen vor. Er bringt einen Zeugen: den heute 47-jährigen Häftling, der seinen frühreren Heroin-Kunden so schwer gefoltert hat. Im Juli 2008 hat er vor dem Landgericht zunächst alles abgestritten. Seine beiden halbwüchsigen Töchter saßen im Zuschauerraum und brachen in Tränen aus, als der Vater die grässlichen Taten schließlich gestand.

Der Zeuge im Prozess gegen seine Mittäterin kann in der Zelle bleiben, seine Aussage wird nicht mehr benötigt. Der Verteidiger sagt, er habe seine Mandantin „schon ein paar Monate nicht mehr gesehen“. Richter Leichter wundert sich nicht, er kennt die Unzuverlässigkeit der mehrfach vorbestraften Drogenabhängigen – und nennt sie launig „etwas umtriebig“.

Damit dürfte das Verbrechen gegen den Industriemeister endgültig geahndet sein – sofern die Verurteilte nicht gegen den Strafbefehl vorgeht. Für den Haupttäter ist die Sache noch nicht erledigt. Seine Freilassung steht erst für das Frühjahr 2012 auf dem Kalender. Aber er kennt sich aus im Gefängnis. Nachdem er im Mai ’97 bei der BSV-Kirmes einen jungen Türken am Autoscooter erstochen hatte, hat er sechs Jahre und neun Monate wegen Totschlags gesessen.

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