Nach dem tödlichen Unfall: Fahnder sind „heiß“

LÜDENSCHEID ▪ „Meine Leute sind heiß. Sie wollen den Unfallverursacher unbedingt kriegen.“ Lüdenscheids Polizeichef Bernd Scholz beschreibt die Stimmung in seiner Inspektion als „emotional und betroffen“. Der tödliche Unfall und die Fahrerflucht auf der Talstraße hinterlassen Spuren.

Trotz verbissenen Ehrgeizes folgt das Fahndungssystem einem kühlen und erprobten Muster. Inzwischen läuft die Fahndung nach dem Täter bundesweit. Die Menge der Hinweise – inzwischen sind 150 davon eingegangen und noch nicht komplett abgearbeitet – sind für die Ermittler auch ein Zeichen für das große öffentliche Interesse an einem Erfolg der Polizei. Rund 50 Anrufer haben beschädigte Fahrzeuge gemeldet, unter ihnen auch Werkstattbetreiber, sagt Scholz. Die Mehrheit der Hinweise kommt von Bürgern aus dem ganzen Märkischen Kreis, aber auch aus Hagen, aus Gummersbach oder Schwelm. Vier Autos sind seit dem Wochenende bei der Kriminaltechnischen Untersuchung in (KtU) Hagen gelandet.

Zuletzt betraf es, gestern Morgen um 1.35 Uhr, eine 39-jährige Kiersperin, die mit einem Ford Fiesta mit Beulen an der Front unterwegs war. Wie Bernd Scholz sagt, seien die Dellen „sehr dilettantisch mit Sprühlack behandelt“ worden. Eine Vernehmung der Fahrerin und die Ergebnisse aus der KtU ergaben jedoch: Sie war es nicht.

So geht die Arbeit der 25-köpfigen Ermittlungskommission unvermindert rund um die Uhr weiter. Dafür haben sich die Fahnder in Gruppen aufgeteilt. Vernehmungsteams sammeln in der Polizeiinspektion Aussagen verdächtiger Personen oder etwaigen Zeugen. Zweiköpfige Fahndungstrupps sind ausschließlich unterwegs, gehen Tipps aus der Bevölkerung nach und sichern Spuren. Sie „klappern“ Werkstätten ab oder stellen Überwachungsvideos von Tankstellen sicher.

Eine weitere Gruppe befasst sich mit der Spurensicherung und bedient sich dabei der Experten der Hagener KtU. Alle Ergebnisse werden in der Inspektion minutiös dokumentiert, dafür ist der eigens dafür abgestellte Aktenführer verantwortlich. Unter anderem benutzt er das Computerprogramm „Stabos“, das laut Polizeioberrat Scholz von der hiesigen Polizeibehörde entwickelt worden ist und inzwischen bundesweit angewandt wird.

Gleichzeitig kümmert sich ein geschulter Opferschutzbeauftragter um die Hinterbliebenen des Unfallopfers. Auch gestern Nachmittag hielt er sich in der Wohnung der Familie des 21-Jährigen auf. Zusätzlich, sagt Bernd Scholz, sind alle Streifenpolizisten angehalten, auf ihren Touren besonders aufmerksam im Hinblick auf beschädigte Autos zu sein. Spezieller Anweisungen bedarf es aber wohl nicht. Scholz: „Jeder ist jetzt ganz besonders ehrgeizig.“

Olaf Moos

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