Dürre Auskünfte

Nach Spenden-Zoff: Schulen haben jetzt Luftfilter - aber nicht vom Arzt

Luftfilter im Klassenzimmer
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Lüften und Filtern: In diesem Zepp-Klassenraum steht ein 2,30 Meter hohes Luftfiltergerät. René Jaques (links) und Matthias Hohmann (ZGW) sind zufrieden.

Dr. Jörn Tornow ist sein Spendengeld für Filtergeräte im Zeppelin-Gymnasium immer noch nicht losgeworden. Immerhin gab es seit Ende Januar offensichtlich mehrere Gespräche mit unterschiedlichen Beteiligten.

Lüdenscheid - Seit wenigen Tagen liegt nun ein Vorschlag vor, mit dem alle Beteiligten arbeiten könnten. Allerdings habe darüber mit ihm noch niemand gesprochen, sagt Dr. Tornow: „Ich bin jederzeit erreichbar.“ Dass sich nach Monaten überhaupt noch etwas zielführend bewegt, will er kaum glauben.

Von der Stadt gab es zu dem Thema nach mehrfacher Nachfrage vor wenigen Tagen eine eher dürre Auskunft: Demnach habe es am Freitag vergangener Woche ein Treffen im Zeppelin-Gymnasium gegeben, zwischen Vertretern der Verwaltung, des Kuratoriums, dem Schulleiter und einem Anbieter aus dem heimischen Raum.

Zweck des Treffens sei der Testlauf eines Filtergerätes gewesen. Die Runde sei letztlich einverstanden gewesen, die betreffenden Filtergeräte könnten zum Einsatz kommen. Man habe nun, so Stadtsprecher Sven Prillwitz weiter, einen Vorschlag ausgetüftelt: „Der Spender soll sagen, ob er will oder nicht.“ Beim Spender angekommen ist der Vorschlag nach dessen Aussage allerdings noch nicht.

10.000-Euro-Angebot in Lüdenscheid ausgeschlagen

Der Mediziner wollte bekanntlich 10 000 Euro zweckgebunden für Luft-Filtergeräte im Zeppelin-Gymnasium spenden und hatte deshalb Ende vergangenen Jahres Kontakt mit der Stadt Lüdenscheid aufgenommen. Nach längerem Hin und Her teilte ihm die Stadt Ende Januar mit, sie könne sein Angebot leider nicht annehmen.

Neben technischen Bedenken wurde als Begründung damals auch genannt, man wolle keine Privilegierung des Stabergs. Alle Schulen müssten gleich behandelt werden.

Daraus ergaben sich – auch für die Lokalpolitiker – eine Reihe von Fragen. Einer Lösung näher kam man aber lange nicht. Am 19. März bat die Redaktion um die Beantwortung von Fragen zur grundsätzlichen Entscheidungsfreiheit von Schulen und ihrer Fördervereine, wie mit Spenden umzugehen ist.

„Können Filtergeräte im Prinzip über Fördervereine gespendet werden?“, lautete eine der Fragen. „Dürfen vorschriftsmäßige Spendengeräte aufgestellt und im Einsatz erprobt werden?“ „Muss die Stadt so eine Vorgehensweise genehmigen?“ „Wenn ja, aufgrund welcher Vorgaben?“ „Inwieweit ist die Rolle des Kuratoriums definiert, welche Entscheidungskompetenzen hat das Gremium, und wer legt sie fest?“ Am Ende interessierte vor allem eines: „Wie geht’s nun weiter?“

Antworten der Stadtverwaltung darauf gibt es, trotz mehrfacher Nachfragen, bis heute nicht. Stattdessen nimmt zumindest der neue Kuratoriums-Vorsitzende des Zeppelin-Gymnasiums, Ralf Schwarzkopf, zum inzwischen hinter verschlossenen Türen offensichtlich doch mühsam errungenen Vorschlag genauer Stellung.

Demzufolge habe man beim Ortstermin ein Filtergerät mitgebracht und sich zugleich die geförderten Filtergeräte angesehen, die aus Landesmitteln angeschafft worden sind. „Das sind Trümmer“, sagte Schwarzkopf beeindruckt. Und entsprechend leistungsfähig. Die Modellrechnung eines ZGW-Ingenieurs habe gezeigt, dass die kleineren Filter aus heimischer Produktion vielleicht nicht für Klassenräume, aber doch für andere Schulräume geeignet seien.

Im Gespräch seien nun vier UV-C-Geräte zur Luftentkeimung – „wartungsfrei und super leise“ –, wodurch man auf eine Gesamtsumme von etwa 5000 Euro komme. „Das“, findet Schwarzkopf, „könnte ein sehr gutes zusätzliches Mittel sein, das auch nach Corona sinnvoll ist.“ Nun hänge alles davon ab, ob sich Dr. Tornow das vorstellen könne. Dazu müsse er allerdings zunächst offiziell informiert werden.

Schwarzkopf hatte sich direkt in der ersten Kuratoriumssitzung mit dem Thema befassen müssen, und auch da stand die Frage nach grundsätzlicher Zuständigkeit im Raum: ob also beispielsweise er als Vorsitzender eine solche zweckgebundene Spende für die Schule annehmen und umsetzen dürfe. Ein von ihm geforderter „definierter Handlungsrahmen“ ist bislang auch noch nicht bekannt.

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