Nach Schulbus-Unfall auf der Intensivstation

„Die Scherben flogen durch den Bus“, berichteten junge Zeuginnen. Die Linie 54 war zur Unfallzeit mit etwa 65 Menschen besetzt.

LÜDENSCHEID - Mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma liegt ein 16-jähriger Jugendliche auf der Intensivstation des Kreiskrankenhauses. Er war am Donnerstag um 15 Uhr in Höhe der A-45-Auffahrt Lüdenscheid-Süd beim Aufprall eines Schneepflugs auf den MVG-Bus der Linie 54 am Kopf getroffen worden. Der Junge musste laut LN-Informationen nach der Einlieferung operiert werden.

Die Dimensionen des Unfalls vor dem Versedreieck werden erst nach und nach deutlich – und damit auch das Glück im Unglück für die vielen Fahrgäste, die mit dem Schrecken davonkamen. So schilderten zwei Schülerinnen, die im Bus gesessen hatten, unmittelbar nach dem Unfall, dass sie den Streugutwagen noch herannahen sahen, der Busfahrer auszuweichen versuchte – „doch dann knirschte es, und die Scherben flogen durch den Bus“. – „Ich habe jetzt noch einen totalen Schock“, schreibt ein Schüler im Internet auf come-on.de unter den LN-Bericht vom Donnerstag.

Laut Unfallprotokoll des MVG-Fahrers saßen etwa 65 Menschen im Bus, als der rückwärts fahrende Schneepflug der Autobahnmeisterei mit seinen Heck-Aufbauten in die Scheiben links hinten krachte. Offenbar hatten die unfallbeteiligten Fahrer das jeweils andere Fahrzeug vor dem Aufprall nicht rechtzeitig gesehen, weil ein Lastwagen zwischen ihnen stand. Der Lasterfahrer hatte von der Linksabbiegespur der Herscheider Landstraße auf die Rampe zur A 45 in Fahrtrichtung Dortmund steuern wollen. Dabei stand ihm der Streuwagen im Weg, der im Einmündungsbereich arbeitete. Dessen Fahrer (32) setzte daraufhin seine schwere Maschine zurück, um dem Lastwagen Platz zu machen. Genau in diesem Moment fuhr der Bus nach Plettenberg rechts am Lkw vorbei, und die Heckaufbauten des Streufahrzeugs drückten sie Scheiben des Busses ein.

Nach MVG-Angaben wurden bei dem Aufprall eine Scheibe zerstört. Der Busfahrer schlug später weitere beschädigte Scheiben ganz ein, damit sie auf der Rückfahrt zur Werkstatt nicht herausspringen und Passanten verletzen konnten.

Während ein Rettungswagen den schwer verletzten 16-Jährigen nach Hellersen brachte, schickte die MVG laut ihrem Sprecher Jochen Sulies den Fahrgästen, die bei klirrender Kälte am Unfallort festsaßen, einen Ersatzbus. Dieser traf um 15.25 Uhr ein und nahm die Schüler, die noch nicht von Eltern abgeholt worden waren, auf, um sie nach Herscheid und Plettenberg zu bringen.

Bei der Untersuchung der Unfallursache dürfte auch die Frage eine Rolle spielen, ob das Räumfahrzeug überhaupt rückwärts vom A-45-Zubringer hätte fahren dürfen. Dazu hieß es auf LN-Anfrage beim ADAC in Köln, dass Rückwärtsfahren auf der Autobahn grundsätzlich strengstens verboten sei, Rangieren aber nicht. Dies gelte nicht nur für Einsatzfahrzeuge mit Sonderrechten: Auch ein Pkw-Fahrer dürfe auf der Autobahn zurücksetzen, wenn er im Stau etwa eine Rettungsgasse frei machen muss.

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