Prozess über 20 Tage

Nach Schießerei: Zu Beginn „Schweigerunde“

Lüdenscheid - Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, handelt es sich bei den Angeklagten um zwei gedungene Gewaltverbrecher und ihren Auftraggeber. Das Schwurgericht beginnt mit der Aufarbeitung der blutigen Schießerei am Abend des 7. Juni auf der Wehberger Straße.

Von Olaf Moos

Fünf Verteidiger stehen den vielfach vorbestraften Angeklagten zur Seite, der Zuschauerraum ist gut gefüllt. Doch der auf 20 Verhandlungstage geplante Prozess droht komplizierter zu werden als geplant. Der damals schwer verletzte Lüdenscheider ist offenbar untergetaucht. Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer sagt im LN-Gespräch: „Wir wissen nicht, wo er ist. Wir suchen ihn.“

Schon im Ermittlungsverfahren hatte der Lüdenscheider laut Mitteilung des Landgerichts „keine brauchbaren Angaben“ zu den Beschuldigten oder den Hintergründen der Attacke gemacht. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich bei dem Angriff mit einer halbautomatischen 6,35-Millimeter-Pistole um einen Racheakt im Drogenmilieu gehandelt hat.

Demnach war der mutmaßliche Auftraggeber, ein 26-jähriger Lüdenscheider, drei Wochen zuvor von dem ebenfalls als Dealer bekannten späteren Opfer in einer Wohnung am Asenberg schwer misshandelt worden – und engagierte zwei aus Bergheim und Kerpen stammende Bekannte für die Vergeltung.

Aber nicht nur das Opfer des als versuchter Mord angeklagten Verbrechens schweigt. Auch die drei Angeklagten machen auf Anraten ihrer Verteidiger von ihrem Recht Gebrauch, keine Angaben zu machen – „vorerst“, wie etwa Rechtsanwalt Philipp Thiée aus Frankfurt am Main sagt. Die Vorsitzende des Schwurgerichts, Richterin Heike Hartmann-Garschagen, quittiert das mit der Bemerkung: „Aha, die Schweigerunde.“ Für die nicht vollendete Tat, also den versuchten Mord, gilt ein Strafrahmen von bis zu 15 Jahren Gefängnis. Der 30-Jährige Kerpener muss sich zudem wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten. Die fragliche Pistole ist nicht registriert.

Die mühsame Einführung aller bekannten Fakten in den Prozess beginnt mit der Vernehmung von Polizisten. Ein 24-Jähriger berichtet, dass mehrere Zeugen drei Schüsse gehört haben. Dass ein Mann in wilder Flucht und „völlig panisch“ über einen Hinterhof gesprintet ist, zwei Verfolger dicht auf den Fersen. Dass er zweimal getroffen wurde, vor einer Haustür zusammengesackt und mit letzter Kraft in einen Hausflur gerobbt ist. Dass er bei Eintreffen der Polizei „kaum ansprechbar“ war.

Auch die Passanten waren nach den Geschehnissen „überwiegend kaum in der Lage, auszusagen“, berichtet ein anderer Polizist. Es wurden drei Patronenhülsen gefunden, eine Kugel steckte, wohl als Querschläger, in einer Wand, dicht neben einer Gruppe, die gerade den Grill angeworfen hatte.

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