„Selten ein so gutes Publikum“

Udo Jürgens einst auch in Lüdenscheid umjubelt

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Längst ein großer Star, aber immer nahe an seine Fans: Udo Jürgens gab nach seinem Konzert 1975 in der Schützenhalle bereitwillig Autogramme.

Lüdenscheid - Der am Sonntag verstorbene Showstar Udo Jürgens hatte auch in Lüdenscheid viele Fans. Sehr gern erinnern sich jene, die seinerzeit dabei waren, daran, dass der Sänger in den 70er-Jahren auch zwei Konzerte in der Bergstadt gegeben hat.

Über diese Konzerte berichten Michael Nürenberg und Dr. Dietmar Simon in ihrem Buch „Die besten Tage unseres Lebens“. Nachfolgend veröffentlichen wir die entsprechenden Passagen.

Das Buch „Die besten Tage unseres Lebens“ ist für 19,90 Euro erhältlich an der Info-Theke im Rathaus, in der Buchhandlung „Thalia“ im Stern-Center sowie über den Geschichts- und Heimatverein, erreichbar im Netz unter www.ghv-luedenscheid.de und unter der ISBN 978-3-981325-2-0.

Im letzten Drittel der sechziger Jahre verlor der Begriff „Beatmusik“ den Beiklang des Rebellischen. Als „weithin akzeptierte Massenkultur vornehmlich britischer Provenienz“ (Detlev Siegfried) wurde das, was man als Beat verstand, mehr und mehr als etwas Kommerzielles angesehen. Die jungen Leute, die sich über mehrere Jahre hinweg dafür begeistert hatten, entglitten allmählich ins Erwachsenenleben, und diejenigen, die übrig blieben, suchten – sofern sie sich überhaupt für eine musikalisch geprägte Gegenkultur interessierten – nach neuen Tönen und Ausdrucksformen. Beobachten konnte man das zum Beispiel auf dem Schallplattenmarkt und an der Hippiebewegung, die Teil hatte an der auch politisch orientierten Flower-Power-Ära.

Der Riss zwischen den Generationen, was Lebenseinstellungen und Freizeitverhalten betraf, war allen Beobachtern klar. Das Ende der Beat-Ära verlief vor diesem Hintergrund in der deutschen Provinz vielleicht verzögert, war aber nachhaltig. In dieser Stadt hatte man das schon 1968 zu spüren bekommen. Im Jahr darauf reagierte dann auch der führende örtliche Veranstalter von Jugendkonzerten darauf.

Die große Schützenhalle blieb auch weiterhin die erste Wahl. Es ist kaum verwunderlich, dass dabei auch in der lokalen Öffentlichkeit das Wort „Beat“ nunmehr verblasste. 1969 kam stattdessen ein neuer Begriff auf, der die jugendliche Musik jenseits des Jazz bezeichnete: „Pop“. Als „Pop“ wurde nun alles Mögliche bezeichnet von den „Blödelbarden“ Insterburg & Co., die erstmals 1970 nach Lüdenscheid kamen, bis zum aufkommenden Hardrock sowie progressiven und psychedelischen Bands.

Udo Jürgens in der Schützenhalle im Jahr 1970.

Zuvor jedoch betrat Udo Jürgens am 24. Januar 1970, einem Samstagabend, die Bühne in der Halle am Loh. Dies deklarierte die Presse nicht als „Pop“, sondern durchaus als „Schlager“, vergaß aber nicht zu erwähnen, dass der österreichische Sänger damals „Deutschlands Star Nummer eins“ und „der Mann auf einsamer Höhe im deutschen Showgeschäft“ war. Dementsprechend groß war der Kartenverkauf. 2000 Menschen „zwischen 15 und 65“ füllten schließlich den Saal. Ein unbekannter Telefonanrufer hatte bei der Polizei einen Bombenalarm ausgelöst, was sich rasch als Bluff herausstellte. Stattdessen wurde das Konzert zu einer „Bombenshow“, auch für Udo Jürgens selber, der erklärte: „Ich habe selten ein so gutes Publikum erlebt wie hier in Lüdenscheid.“

Auch Stadtjugendpfleger Schumann, der das Konzert organisiert hatte, konnte wirklich zufrieden sein, gab ihm das doch den finanziellen und moralischen Rückenwind, den er sich für einen Neustart als Konzertveranstalter gewünscht hatte. Ein zweites Mal gastierte Jürgen am 14. Oktober 1975 in der Schützenhalle.

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