Nach Rettungsaktion für Stelle in Suchtberatung jetzt Dauer-Sponsor gesucht

Freude im Sechserpack über zahlreiche Spenden (v.l.): Fördervereins-Vorsitzender Ulrich Kilo mit Beraterin Monika Triffo, Sekretärin Ulrike Lienenkämper, Berater Peter Nehrenheim, Anita Pfeiffer (2. Vorsitzende) und Beraterin Andrea Bäcker.

LÜDENSCHEID J „Hilfe, meine Schwester ist Alkoholikerin – und hat gerade gesagt, sie will sich umbringen!“ Wer so dramatische Anrufe erhält, kann schlecht auf eine Warteliste verweisen. Doch darum geht es bei der Suchtkrankenhilfe der Diakonie:

Wie berichtet, droht hier eine Viertelstelle in der Beratung wegzufallen. Dagegen haben jetzt so viele Lüdenscheider angespendet, dass die Arbeit ein halbes Jahr weiterläuft. Doch die Zukunft ab Mai bleibt ungewiss.

Mit 1000 Euro leistete auch der Glücksbringer e.V. als Verein für soziale Projekte in Lüdenscheid seinen Beitrag zum Erhalt, der direkt an den Förderverein überwiesen wird. „Das ist eine wertvolle Hilfe“, sagt Fördervereinsvorsitzender Ulrich Kilo. Denn die Förderer, die seit Jahren die Arbeit für Suchtkranke im Lutherhaus an der Heedfelder Straße unterstützen, waren zuletzt fast blank. Lange hatten sie aus der kirchlichen Viertelstelle eine halbe gemacht – „weil die Arbeit da ist und Suchtkranke, die Hilfe suchen, nicht warten können“, weiß Kilo.

Ein öffentlicher Hilferuf der Helfer brachte zuletzt zumindest den Aufschub: „Es war rührend zu sehen, wie Menschen, denen wir geholfen haben, jetzt zu uns kamen und spendeten“, berichtet Beraterin Andrea Bäcker. Viele der Menschen aus allen sozialen Schichten hatten selbst erfahren, wie lebenswichtig Suchtberatung sein kann. Und eine Viertelstelle weniger, das ist im Lutherhaus leicht umzurechnen: „Das sind pro Jahr zwölf Namen mehr auf der Warteliste“, sagt Beraterin Monika Triffo.

Angesichts eines vierköpfigen Teams, in dem keiner eine volle Stelle besetzt, und einer Beratungsdauer bis zu drei Jahren sind die Fallzahlen der Anlaufstelle überraschend hoch: 2010 wurden allein 162 Einzelklienten betreut, 110 Neufälle aufgenommen, Tausende Gespräche geführt. Geht es in den Entzug, in Therapie, reichen Tipps? Die Hälfte waren Alkoholiker, ein Sechstel Spieler, einige Fälle drehten sich um Essstörungen, die Sucht nach Medikamenten, Einkaufen, Computerspiel oder Beziehungen. Mehr als ein Viertel aller Beratungen galt Angehörigen, die nicht mehr wussten, wie sie mit der Sucht ihrer Kinder oder Eltern umgehen sollten. „Ihr Leid, ihre Hilflosigkeit sind meist groß, deshalb erhalten sie bei uns dieselbe Zeit wie Suchtkranke auch“, sagt Berater Peter Nehrenheim.

Was sich Ulrich Kilo jetzt wünscht, ist klar: „Dass wir dauerhaft einen oder mehrere Sponsor finden.“ Sonst stünden Verein und Beratungsstelle ab Juni wieder vor dem Finanzproblem. Und verzweifelte Menschen auf der Warteliste.

Der Förderverein der Suchtkranken-Beratungsstelle hat die Kontonummer 2 115 149 019 bei der Bank für Kirche und Diakonie, BLZ 35 060 190.

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