Unfallflucht

Nach Rempler auf Aldi-Parkplatz: Drei Monate Fahrverbot für Rentnerin

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Nach Rempler auf Aldi-Parkplatz: Drei Monate Fahrverbot für Rentnerin (Symbolbild)

Lüdenscheid - Nach einer Verkehrsunfallflucht darf eine Rentnerin aus Lüdenscheid nun drei Monate kein Fahrzeug mehr führen.

Als Rechtsanwalt Franz-Günter Heß dem Strafrichter den alten grauen Führerschein seiner Mandantin in die Hand drückt, ist die Sache für die 76-Jährige endlich ausgestanden. 

Im April 2019 rammt die Dame mit ihrem Mercedes auf dem Parkplatz der Aldi-Filiale an der Kölner Straße einen Wagen. Sie bemerkt die Kollision zwar, macht sich aber trotzdem auf und davon – und lässt die Geschädigte laut Staatsanwaltschaft auf einem Schaden von 1712 Euro sitzen. 

Dass die Täterin Einspruch gegen den schriftlichen Strafbefehl des Amtsgerichts eingelegt hat, liegt nicht daran, dass sie die Schuld abstreitet. Ihre Schuld steht wohl zweifelsfrei fest. Aber eine Geldstrafe von 1000 Euro war ihr offenbar zu hoch. 

Verteidiger Heß beschränkt den Einspruch deshalb aufs Strafmaß und erklärt, die Angeklagte verfüge über eine schmale Rente von gerade einmal 600 Euro. Außerdem habe sich seine Mandantin mit der Versicherung auf eine Zahlung von 900 Euro geeinigt. Und: „Das beschädigte Auto hatte nur noch einen Wert von knapp 1000 Euro.“ 

Der Richter gibt zu Bedenken, „dass wir alle gleich behandeln müssen. Für solche Sachen hat’s schon Fahrverbote gegeben“. Andererseits spiele die Schadenshöhe natürlich eine Rolle. „Wenn ich eine Polo-Stoßstange kaputtfahre, kostet das vielleicht 800 Euro. Wenn ich die Stoßstange eines Lamborghini nur ankratze, liege ich schon bei 2000 Euro.“ 

Die Staatsanwältin lässt sich auf einen Kompromiss ein und halbiert mit ihrem Antrag die Geldstrafe auf einen Betrag von 500 Euro. Zusätzlich fordert sie ein dreimonatiges Fahrverbot. 

Der Richter entscheidet entsprechend. Die Angeklagte nickt – und kramt schon mal ihren Führerschein aus der Handtasche. Damit wird das Fahrverbot sofort gültig. Ihr Sohn fährt sie nach Hause.

Anders lief es in Altena: Eine 89-Jährige bekam nach einem Rempler ihren Führerschein zurück - weil sie schwerhörig ist.

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