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Nach Raubüberfällen: Angeklagte kommen vergleichsweise glimpflich davon

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Von: Olaf Moos

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Ein Schuss mit einer Schreckschusspistole.
Symbolbild © Carsten Rehder/dpa

Zwei Monate nach dem Prozessauftakt steht fest: Der 19-jährige und seine Bekannte (20), die unter anderem für die bewaffneten Raubüberfälle auf einen Kiosk in Brügge und einen Döner-Imbiss in Plettenberg verantwortlich sind, kommen vergleichsweise glimpflich davon.

Lüdenscheid - Das Jugendschöffengericht verurteilte die Angeklagten am Freitagnachmittag zu Jugendstrafen: zwei Jahre und zehn Monate für den jungen Mann und drei Jahre und drei Monate für seine Komplizin. Zudem ordneten die Richter die Unterbringung der Verurteilten in einer Entziehungsanstalt an. Das heißt: Sie müssen nicht ins Gefängnis, sondern durchlaufen Suchttherapien und werden nach Abschluss der Behandlung möglicherweise auf Bewährung frei gelassen.

Zwar hatten die beiden schon im Ermittlungsverfahren zugegeben, die Überfälle begangen zu haben. Doch sie erklärten auch, zur Tatzeit im Dezember exzessiv Drogen konsumiert und reichlich Schnaps getrunken zu haben. Die Hoffnung, dass ihnen das Jugendschöffengericht darauf eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit attestiert und die Strafe mildert, zerschlug sich jedoch in der Hauptverhandlung.

Der psychiatrische Sachverständige Dr. Bernhard Bätz aus Hamm verneinte die verminderte Schuldfähigkeit der Angeklagten. Und das Gericht folgte der Einschätzung. Der Vorsitzende Richter Andreas Lyra sagte zu den Angeklagten: „Dass Sie zu bis obenhin waren und nicht mehr wussten, was Sie taten, ist schlicht nicht richtig.“

Auch partielle Erinnerungslücken, auf die sich das Duo berief, seien „nicht glaubhaft“. Das ganze Geschehen, sowohl in Brügge als auch in Plettenberg, spreche für „ein sehr gesteuertes Verhalten“, so der Richter.

Die Tatsache, dass die junge Frau eine höhere Strafe bekommt als ihr Komplize, erklärten die Richter mit dem langen Vorstrafenregister der 20-Jährigen und damit, dass sie während der Raubüberfälle noch unter laufender Bewährung stand, die nun widerrufen wird. Andererseits profitieren die Angeklagten von Stellungnahmen der Bewährungshelfer, die sich jeweils für die Anwendung des Jugendstrafrechts aussprachen.

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