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Nach Raubserie: Gespenstisches Szenario im Gerichtssaal

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Von: Olaf Moos

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Strafprozess am Landgericht Hagen
Strafverteidigerin Julia Kustelak (links) neben ihrem Kollegen Andreas Trode sowie Philippos Botsaris (rechts), Hami Civil (3. von rechts) und Rechtsanwalt Friedhelm Wolf (im Hintergrund links) haben einen langen Prozess vor sich. © Olaf Moos

Der Strafprozess gegen eine mutmaßliche Bande von vier bewaffneten Räubern beginnt mit einem fast gespenstisch anmutenden Szenario.

Lüdenscheid - Drei der jungen Männer sitzen äußerlich friedlich und „normal“ neben ihren Verteidigern im Saal 201 des Landgerichts Hagen. Den Vierten schieben die Wachtmeister im Rollstuhl herein. Der 22-Jährige ist an Händen und Füßen gefesselt und mit einem stabilen Brustgurt an dem Stuhl fixiert. Auf dem Kopf trägt er einen Schutzhelm, der an Boxsport erinnert, vor dem Mund hat er einen Spuckschutz.

Der Häftling habe seinen Kopf im Gefängnis schon mehrfach vor Wände geschlagen, erklärt dazu der Sprecher des Landgerichts, Christian Potthast. Wegen der ständigen Gefahr der Selbstverletzung sei er in einem besonders gesicherten Haftraum untergebracht. Die Sonderbehandlung diene seinem Schutz. Elf Justizwachtmeister sind im Saal, um die Angeklagten zu bewachen.

Doch die Frage, ob der gefesselte Angeklagte gesund ist, ob es begründete Zweifel an seiner Schuld- oder gar Verhandlungsfähigkeit gibt, ist vorerst beantwortet. Die psychiatrische Sachverständige Dr. Catia M. Loddo, die den 22-Jährigen untersucht hat, sieht laut Potthast „keinerlei Anzeichen für eine psychische Erkrankung“ – und halte ihn für voll schuld- und verhandlungsfähig. „Sie hat sich zwei Stunden ganz normal mit ihm unterhalten.“ Detailliert werde sich die Gutachterin im Laufe der Hauptverhandlung über den Zustand des Mannes äußern.

Aus den Reihen der Verteidiger ist abseits der Hauptverhandlung das Wort „Simulant“ zu vernehmen. Vermutlich deshalb reagieren die Prozessbeteiligten vergleichsweise entspannt, als es zu einem ersten Tumult im Saal kommt. Während die Staatsanwältin 20 Minuten lang die lange Reihe von Vorwürfen gegen das Quartett verliest, bäumt sich der Mann im Rollstuhl plötzlich zuckend auf, wirft seinen Kopf vor und zurück und rasselt mit den Ketten an Händen und Füßen. Drei Bewacher halten ihn fest. Angehörige im Zuschauerraum springen auf und rufen etwas in arabischer Sprache.

Damit ist der öffentliche Teil des ersten Verhandlungstages beendet. Die Juristen ziehen sich zu einem Rechtsgespräch zurück, um den Fortgang des Verfahrens abzustimmen. Der Vorsitzende der 1. großen Jugendstrafkammer, Richter Jörg Weber-Schmitz, wird am zweiten Prozesstag über das Ergebnis des Gesprächs berichten.

Die Hauptverhandlung wird am 14. Dezember um 9.30 Uhr im Saal 201 des Landgerichts Hagen fortgesetzt.

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