Offener Brief an Opfer

Nach Missbrauch im MK: Presbyter bitten um Verzeihung

Missbrauch Opfer
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Symbolbild

Die Nachricht löste im Sommer 2020 Entsetzen und Abscheu aus: Mindestens 30 Jahre lang hatte sich ein ehrenamtlicher Jugendbetreuer, der für den CVJM Lüdenscheid-West und die evangelische Kirchengemeinde Brügge tätig war, sexuell an Jugendlichen vergangen. Nun hat sich das Presbyterium der Gemeinde in einem offenen Brief an die Opfer gewandt.

Lüdenscheid - Darin macht das Leitungsgremium deutlich, „dass es in seiner Verantwortung für die Gemeindearbeit versagt hat und so schuldig geworden ist“ – und bittet die Adressaten des Schreibens „aufrichtig um Verzeihung“.

Zunächst hatten sich fünf Betroffene im Sommer gemeinsam an die Missbrauchsbeauftragte der Evangelischen Kirche von Westfalen, Daniela Fricke, gewandt und von länger zurückliegenden Missbrauchstaten in der Jungenschaft Lösenbach berichtet.

Bis Oktober steigerte sich die Zahl der Meldungen auf mehr als 20. Betroffen waren ausschließlich Jungen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren. Kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe nahm sich der Tatverdächtige das Leben.

Durch das Versagen der Verantwortlichen der Gemeinde, heißt es in dem Brief weiter, „war es dem Täter überhaupt und so lange möglich, sexualisierte Gewalt innerhalb der Jugendgruppe auszuüben und den Betroffenen dadurch unbeschreibliches Leid anzutun“.

In dem Brief des Presbyteriums an die Missbrauchsopfer, den der Evangelische Kirchenkreis jetzt veröffentlicht hat, bitten die Autoren die Betroffenen um Verzeihung, „auch wenn das Leitungsgremium weiß, dass diese schrecklichen Vorkommnisse nicht wiedergutzumachen sind“.

Seit dem Bekanntwerden der Geschehnisse engagiere sich die Gemeindeleitung „mit aller Konsequenz in der Aufklärung“ – und sei „fest entschlossen, alles dafür zu tun, dass diese oder ähnliche Taten in der Gemeinde nie wieder vorkommen werden“.

Erste Konsequenzen seien bereits umgesetzt, weitere würden künftig folgen, so schreiben die Presbyter. Welche Maßnahmen konkret damit gemeint sind, geht aus dem Brief nicht hervor. Doch die Gemeindeleitung steht Betroffenen nach eigener Aussage „für einen direkten und persönlichen Austausch gerne zur Verfügung“.

Angesprochen sollen sich auch Missbrauchsopfer fühlen, die sich bislang nicht gemeldet haben oder anonym bleiben möchten.

Der CVJM Lüdenscheid-West hatte den Mitarbeiter nach Bekanntwerden der Vorkommnisse und des Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft sofort von allen Aufgaben entbunden und ein Hausverbot gegen den Mann verhängt.

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