Wieder Kurzarbeit?

Nach Linden-Insolvenz: Immer mehr Automobilzulieferer im MK in Schwierigkeiten

Industriegebäude mit Firmenlogo
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Der Linden-Standort in Lüdenscheid.

Ist die Linden-Insolvenz ein Vorbote für weitere Pleiten in der Automobilzulieferer-Industrie im Märkischen Kreis? Mit der Drosselung der Auto-Produktion geraten immer mehr Unternehmen in Schwierigkeiten. Dabei schlägt der Trend zu E-Autos noch gar nicht richtig durch.

Lüdenscheid – Die Automobilzuliefererbetriebe in Lüdenscheid und Umgebung stehen vor einem richtungsweisenden Herbst. Nach dem Insolvenzantrag der Konzernmutter Heinze für die Lüdenscheider Linden GmbH befürchtet die IG Metall weitere Tiefschläge für Angestellte in der Region.

Viele Industriebetriebe stehen mit dem Rücken zur Wand, nachdem die großen Automobilhersteller ihre Produktion drosseln. „Es ist eine Minute vor zwölf“, warnt Fabian Ferber, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis, mit Blick auf die jüngsten Rückmeldungen aus den Betrieben. „Ich sehe schon für diesen Herbst arge Probleme auf die heimischen Unternehmen zu kommen“, erklärt Ferber. In vielen Unternehmen werde erwogen, wieder Kurzarbeit anzumelden.

Der Grund dafür hängt mit der Corona-Pandemie nur noch indirekt zusammen: Die großen Automobilhersteller haben mit Verweis auf den Halbleitermangel Aufträge in erheblichem Maße zurückgezogen. „Die Auftragsbücher sind voll, nur werden die Aufträge nicht mehr abgerufen“, berichtet Ferber. Teilweise würden die bereits hergestellten Produkte nicht einmal mehr abgenommen. „Die Lager sind voll. Das ist für die Bilanz immer negativ.“ Im Ergebnis geraten die heimischen Zulieferer, die vielfach die Produktion nach dem Lockdown gerade erst wieder hochgefahren haben, unter erheblichen Druck.

Besonders große Sorge hat der IG-Metall-Bevollmächtigte, dass die Krise in Südwestfalen – der viel zitierten verlängerten Werkbank der Automobilindustrie – angesichts von Koalitionsverhandlungen und vermeintlich wichtigerer Themen in Berlin untergeht. Ferber nimmt daher auch die jetzige Bundesregierung noch in die Pflicht. Er fordert eine Gesamtstrategie für die Region, „Tatkraft und Tempo“ von der Bundesregierung und die richtigen Instrumente, um dem Strukturwandel begegnen zu können.

Während der Kohleausstieg mit Milliardenzusagen für die betroffenen Regionen abgefedert werde, fehlten vergleichbare Maßnahmen für Südwestfalen, dessen Industrie von der politisch forcierten Abkehr vom Verbrennungsmotor besonders abhängig ist. Als Beispiel führt Fabian Ferber die Stadt Plettenberg an, wo bei einer Einwohnerzahl von rund 25 000 etwa 3 000 bis 5 000 Jobs direkt und indirekt mit dem Verbrennungsmotor zusammenhängen. Es bestehe die Gefahr, dass dort die gesamte Wertschöpfung wegbricht. Ferber fordert daher ein sofortiges Handeln ein: „Wir brauchen eine konzertierte Aktion für die Industriepolitik in unserer Region. Es ist wichtig, dass wir im Märkischen Kreis und im Kreis Olpe Industrieregion bleiben“, sagt der Bevollmächtigte.

Um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen, ruft die IG Metal am 29. Oktober deutschlandweit zu einem Aktionstag auf. In NRW wird es an vier Standorten Proteste geben. Neben Duisburg, Bielefeld und Köln ist auch Lüdenscheid dabei. Ab 11 Uhr findet auf dem Schützenplatz Loh eine Kundgebung statt. Es geht um Sichtbarkeit, einen Hilferuf nach Berlin und für Fabian Ferber auch um Gerechtigkeit für die Menschen in der Region. „Mit dem politisch beschlossenen Aus für den Bergbau wurde versprochen, dass die Bergleute nicht ins Bergfreie fallen. Es wäre schön, wenn diese Losung heute auch für die Kolleginnen und Kollegen in der Automobilindustrie gilt.“

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