Nach Ladendiebstahl im Saturn: Auch dritter Berufungstermin platzt

Lüdenscheid - Auch im dritten Anlauf, das Berufungsverfahren gegen einen 70-jährigen Kaufmann zum Abschluss zu bringen, ist die Justiz am Montag gescheitert. Der Lüdenscheider soll am 15. Juni 2013 im Saturn-Markt eine Druckerpatrone im Wert von 29,99 Euro geklaut haben.

Das öffentliche Interesse an dem Verfahren ist offenbar ungebrochen. Im Saal 363 des Hagener Landgerichts versammeln sich neben den Juristen und Zeugen auch einige Zuschauer. Unter ihnen zum Beispiel ein Lüdenscheider Handwerksmeister, der sagt, der Angeklagte habe ihn vor Jahren „nach Strich und Faden beschissen“ und er wolle nun sehen, was passiert.

Aber es passiert nichts. Denn der hochbezahlte Verteidiger, Dr. Wilhelm Krekeler aus Dortmund, wartet vor der 5. Kleinen Strafkammer wieder einmal vergeblich auf seinen Mandanten. Der Rechtsanwalt berichtet der Vorsitzenden Richterin Claudia Oedinghofen von einem Fax vom 25. Februar, in dem sein Mandant sich als „null Prozent arbeits- oder verhandlungsfähig“ bezeichne. Anbei die Bestätigung einer Hamburger Klinik, in der unter anderem von „unklaren Erschöpfungszuständen“ die Rede ist, wegen derer man den Patienten aus Lüdenscheid stationär zu versorgen gedenke.

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Bloß: Die Bestätigung darüber, dass der Angeklagte tatsächlich ein Bett der Asklepios-Klinik im Hamburger Stadtteil St. Georg belegt, fehlt. Dr. Krekeler: „Ich habe meinen Mandanten zu Hause angerufen, er meldet sich nicht.“ Ein spontanes Telefonat des Rechtsanwalts vom Gerichtsflur aus mit der Klinik ergibt: „Ja, er ist seit dem 25. Februar da.“ Aber für eine schriftliche Bestätigung müsse der Herr Professor den Patienten aus Datenschutzgründen um Erlaubnis bitten, das könne dauern.

Richterin Oedinghofen nimmt’s unaufgeregt hin. „Krankheit geht vor, danach muss man sich richten.“ Die Hauptverhandlung wird ausgesetzt, neuer Termin von Amts wegen.

In erster Instanz bei Strafrichter Andreas Lyra am 19. Mai 2014 streitet der Kaufmann, damals verteidigt von zwei Rechtsanwälten, jede Schuld ab. Gegen die Geldstrafe von 600 Euro legt er Rechtsmittel ein. Auch die Staatsanwaltschaft ficht das Urteil per Berufung an. Der als überaus vermögend geltende Kaufmann habe bei der Angabe zu seinem Einkommen – „437 Euro Rente“ – gelogen, heißt es. Grundstücke und Immobilien „gehören alle meiner Frau“, so der Lüdenscheider zum Strafrichter.

Die für den 8. Dezember geplante Berufungsverhandlung fällt aus. Die Gründe dafür sind unbekannt. Auch der Ersatztermin, anberaumt am 6. Februar, platzt. Angeblich wegen eines Trauerfalls. Der Krankenhausaufenthalt gilt als noch nicht bestätigt. Die Justiz bereitet sich auf den nächsten Versuch vor.

Von Olaf Moos

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