Unfall mit nicht angeschnallten Kindern

Nach Kollision: Kind aus Auto verschwunden

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Symbolbild

Lüdenscheid - Ein 36-Jähriger baut mit vier nicht angeschnallten Kindern auf dem Rücksitz einen Unfall. Mit strafrechtlichen Folgen.

Es ist wirklich nur eine ganz leichte Kollision. 3. August 2019: Ein Audi-Fahrer (36) passt auf der Halverstraße einen Moment lang nicht auf und rammt ein vorausfahrendes Gespann. 

Die Polizei registriert einen Verkehrsunfall mit drei leicht verletzten Personen – und erstattet wegen fahrlässiger Körperverletzung Strafanzeige gegen den Fahrer. Vier Kinder saßen auf dem Rücksitz des Audi, keines davon angeschnallt. 

Er muss gewusst haben, dass die Rückbank nur für drei Insassen zugelassen ist. Deshalb spielt sich direkt nach dem Unfall eine kuriose Szene ab. Weitere Familienmitglieder in den Autos dahinter halten an und steigen aus, „eine ganze Horde“, wie Strafrichterin Kristina Thies anmerkt. 

Doch eines der vier Kinder – zwei Jahre alt – verschwindet zwischen den Verwandten. „Sie haben nach dem Unfall vehement abgestritten, dass ein viertes Kind im Wagen saß.“ 

Die Düsseldorfer Rechtsanwältin Fatma Poyraz-Devrim strebt die Einstellung des Verfahrens an – und startet eine Charme-Offensive. „Mein Mandant hat wenig Geld und ist ein braver Mensch.“ Und es gebe doch „so viele Sachen, die schlimmer sind“. 

Tatsächlich ist der 36-Jährige bislang nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Doch die Richterin bleibt unnachgiebig. „Es geht um das Nachtatverhalten des Angeklagten, und es geht um Kinder. Erwachsene können selbst entscheiden, ob sie sich im Auto ordentlich sichern, Kinder nicht.“ 

Auch das Argument der Verteidigerin, ihr Mandant werde im Falle einer Verurteilung bei seinem laufenden Einbürgerungsverfahren „nur Probleme“ haben, zieht in den Augen der Richterin nicht. Oberamtsanwalt Markus Desecar bleibt ebenfalls ungerührt und beantragt eine immerhin milde Geldstrafe in Höhe von 450 Euro. 

Richterin Kristina Thies folgt dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die vergleichsweise moderate Höhe der Geldstrafe ergibt sich aus dem Umstand, dass der Familienvater derzeit arbeitslos ist. 

Für die junge Verteidigerin aus der Landeshauptstadt hat die Richterin zum Abschluss des Verfahrens noch ein tröstendes Wort. „Sie haben alles gegeben!“

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