Nach Insolvenz packen‘s Mitarbeiter selbst an

Regina Forner und Reinhard Wolf im Ausstellungsraum ihrer Firma „escoart“ am Neuen Haus  2.

LÜDENSCHEID ▪ Dass Regina Forner einmal Geschäftsführerin werden würde, hatte sie sich 1989, als sie bei der damaligen Firma Seisler am Neuen Haus 2 begann, sicherlich nicht gedacht.

„Ich war im Bereich der Qualitätssicherung tätig und für den Kontakt mit den Lieferanten zuständig.“ Jetzt leitet sie gemeinsam mit Reinhard Wolf, dem kaufmännischen Leiter, das Unternehmen „escoart“, das sich aus der Insolvenz des Betriebs Seisler heraus 2007 gründete. Wolf ist schon seit 1978 dabei, war Buchhalter und sah die wirtschaftliche Schieflage aufgrund zu hoher finanzieller Altlasten auf das Unternehmen zukommen. „Wir haben während der Insolvenzphase weiter arbeiten können und eine sehr gute Unterstützung durch die Insolvenzverwalterin erfahren und uns schließlich entschlossen, alle Mitarbeiter an dem Unternehmen zu beteiligen. Know-how und Branchenkenntnis waren ja da“, sagen die beiden. Die GmbH mit 13 Gesellschaftern versteht sich als „verlängerte Werkbank“ und kreativer Partner für Unternehmen im Bereich der Badgestaltung. Komplette Serien von Alu-Spielgeschränken und Alu-Regaleinheiten sowie Sondermodelle bietet das Unternehmen. Lange Tradition hat die Anfertigung von Design-Sifons und Ablaufventilen. Hinzu kommen moderne und klassische Ausstattungsarmaturen und Spielgelbefestigungen.

„Mit CAD-Systemen entwickeln wir, in der Automatendrehtechnik fertigen wir spanlos und spanabhebend. Wir stanzen, sägen, biegen, löten, schleifen und polieren. Dazu besitzen wir einen eigenen Werkzeugbau und stehen in enger Kooperation mit Kunststoff- und Galvanisierbetrieben“, beschreiben Forner und Wolf die Konstruktions- und Produktionspalette in dem mehr als 1000 Quadratmeter großen, verwinkelten Komplex am Neuen Haus.

„Wir hatten damals die Perspektive, arbeitslos zu werden oder die Sache selbst in die Hände zu nehmen. Da wir gute Voraussetzungen für eine Fortsetzung sahen, haben wir uns für die Selbstständigkeit entschieden.“ Die Mitarbeiterbeteiligung sei schon eine besondere Konstellation, aber sie führe auch zu einer großen Identifikation mit dem eigenen Unternehmen und zu einer stärkeren Motivation, haben Regina Forner und Reinhard Wolf erfahren. „Es hat sich gelohnt, diesen Schritt zu wagen“, sind sie überzeugt. Und das, obwohl natürlich auch „escoart“ nicht von der Wirtschaftskrise und dem langen Winter, der ja gerade die Bauwirtschaft und damit auch die Sanitärbranche trifft, verschont geblieben ist. „Wir mussten – wie viele andere Firmen auch – Kurzarbeit anmelden.“ Der Aufschwung nach einer zähen Phase komme erst immer mit Verspätung im Sanitärbereich an.

Ungeachtet dessen war „escoart“ vergangenes Wochenende auch erstmals auf der Messe Bauen und Wohnen auf dem Loh präsent. „Das war ungewohnt für mich“, sagt Regina Forner, doch sie habe viele Gespräche geführt und Flyer verteilt und hofft, dass dies über kurz oder lang auch zu Aufträgen führe.

Das Unternehmen am Neuen Haus bietet übrigens auch einen Verkauf ab Werk an. Zwischen 8 und 16 Uhr ist der Betrieb geöffnet, Anfragen werden telefonisch unter 0 23 51 / 33  99 entgegengenommen.

Weitere Informationen unter http://www.escoart.de

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