Nach Hurrikan Irma: Was würde Katastrophe in Lüdenscheid anrichten?

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Der Krisenstab trainiert regelmäßig im Atomschutzbunker unter dem Kreishaus in Lüdenscheid.

Lüdenscheid - Dunkle Wolken hängen über der Stadt, der Wind peitscht durch die überfluteten Straßen und rüttelt an den Bäumen. Berichte von Naturkatastrophen wie Hurrikan Irma in Amerika gehen um die Welt – und scheinen weit weg. Doch auch der Märkische Kreis wappnet sich für den Ernstfall.

Ob Überschwemmung, Großbrand oder Pandemie – es gibt kaum ein Szenario, auf das der Krisenstab des Märkischen Kreises nicht vorbereitet sein muss. „Großschadensereignis“ heißen diese Dinge im Fachjargon. Dahinter verbergen sich Katastrophen, die viel Leid für die Betroffenen mit sich bringen. Im Katastrophenfall ist deshalb schnelles Handeln geboten, um durch Evakuierungen und die schnelle Versorgung von Verletzten möglichst viele Menschenleben zu retten. Auf dieses Ziel bereitet sich der Krisenstab immer wieder vor.

Ihren Sitz hat die Einsatzgruppe im alten Atomschutzbunker unterm Kreishaus in Lüdenscheid. Zwischen nackten Betonwänden und Technik aus den 80er-Jahren trifft sich das Team der Leiter Volker Schmidt, Jutta Heedfeld und Guido Thal dort im Falle einer Katastrophe. Dass die noch nie eingetreten ist, war bis jetzt eher dem Glück zu verdanken.

„Beim Orkan Kyrill vor zehn Jahren waren wir kurz davor, Katastrophenalarm auszulösen“, erinnert sich Hendrik Klein, der als Kreispressesprecher ebenfalls Teil des Krisenstabs ist. Dazu kam es 2007 nur Dank einer kleinen Einsatzgruppe nicht, die damals die ganze Nacht durcharbeitete. Die Koordination von 2500 Feuerwehrleuten war bis heute der größte Einsatz, der von der vom Lagezentrum im Bunker aus vorgenommen wurde.

Um die Abläufe zu trainieren, finden regelmäßig Übungen statt – mindestens zwei mal im Jahr kommen alle Beteiligten zusammen. Vor Ort erfahren sie laut Klein, um was für eine Krise es sich handelt, dann leiten sie sofort die nötigen Maßnahmen ein, die je nach Szenario völlig unterschiedlich sein können. „Bei Stromausfällen müssen wir uns vor allem um die Stromversorgung der Krankenhäuser durch Notstromaggregate kümmern“, erklärt Klein. Bei Schnee- oder Hochwasserlagen kommen dagegen Bergepanzer und Hubschrauber zum Einsatz, wenn Menschen in ihre Häuser eingeschlossen wurden. „Bei vielen Toten würde zum Beipiel auch die Eishalle der Iserlohn Roosters für deren Aufbewahrung gebraucht“, sagt Klein.

Dass man solche Katastrophen nicht ganz ausschließen kann, betont er besonders: „Im Ernstfall werden wir alles Menschenmögliche tun. Aber eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nie.“

Von Sophie Spelsberg

Der Krisenstab

  • Polizei
  • Bundeswehr
  • zuständige Fachbehörde
  • Gesundheitsamt
  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Technisches Hilfswerk
  • Pressestelle

Der Ernstfall

  • Landrat löst Katastrophenalarm aus 
  • Benachrichtigung der Krisenstabsmitglieder 
  • Treffen in der Leitstelle 
  • Koordinierung der Rettungsarbeiten beginnt 
  • Anforderung weiterer Hilfe

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