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Nach Hochwasser-Katastrophe: Lüdenscheider hilft im zerstörten Ahrweiler

In der Ahrweiler Innenstadt ist die Zerstörung nach der Hochwasser-Katastrophe auch nach vier Wochen allgegenwärtig. Kontrollierte Häuser werden von den Hilfsorganisationen – hier vom THW – markiert.
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In der Ahrweiler Innenstadt ist die Zerstörung nach der Hochwasser-Katastrophe auch nach vier Wochen allgegenwärtig. Kontrollierte Häuser werden von den Hilfsorganisationen – hier vom THW – markiert.

„Kennst du die Bilder aus dem Fernsehen? Dann stelle es dir zweimal so schlimm vor!“ Mit diesen Worten versucht ein Kollege vom DRK Tobias Maus auf die Situation vorzubereiten, die er am 4. August in der Stadt Ahrweiler nach der Hochwasser-Katastrophe vorfindet.

Lüdenscheid – Er ist Mitglied eines Teams, das die Menschen in der zerstörten Region bis zum 9. August verpflegen soll.

Das Hochwasser hat ganze Brücken mitgerissen, die zuvor Gleise und Schienenverkehr getragen haben.

Dafür brauche es eine Großküche, die „weltweit einzigartig“ sei, sagt Maus – 10 000 warme Mahlzeiten werden dort pro Tag zubereitet. Platz für das Ungetüm aus Zelten, Kühlaggregaten und Lagerflächen bietet die Firma Haribo auf ihrem Parkplatz im Ort Grafschaft an, etwa acht Kilometer vom Ahrweiler Marktplatz entfernt, wo die Essensausgabe stattfindet. „Bei Haribo gibt es Strom, Wasser und Platz“, erklärt Maus – eine Infrastruktur. Eine Infrastruktur, von der die Wassermassen in Ahrweiler nichts übrig ließen.

Tobias Maus engagiert sich seit 1990 für das DRK und die Johanniter.

Bürgersteige und ganze Straßen seien weggespült, durch die historische Altstadt ziehe sich ein eineinhalb Meter tiefer Graben. „Solch eine Zerstörung kannte ich bisher nur von Schwarz-Weiß-Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg“, schüttelt der erfahrene Helfer – Maus engagiert sich seit 1990 beim DRK und den Johannitern – auch Tage nach seiner Rückkehr nach Lüdenscheid den Kopf.

Es gibt weder Strom noch Gas, auch die Festnetztelefone bleiben stumm. Das Mobilfunknetz bricht regelmäßig zusammen. Auch der Behördenfunk mit UKW-Technik funktioniere nicht, sagt Maus, mache die übliche Kommunikation unter den Einsatzkräften unmöglich. Abhilfe kommt aus dem Museum für Kommunikation in Berlin. Dort sei ein Fernsprechbauwagen aus dem Jahr 1982 entmottet worden, sagt der 49-Jährige. „Jetzt können einzelne Hilfskräfte durch ein Feldtelefon mit der Zentrale sprechen.“

Auch nach vier Wochen ist die Katastrophe in Ahrweiler mehr als deutlich zu sehen.

Mit der Essensausgabe am Marktplatz sind Maus und seine Kollegen gegen 14.30 Uhr fertig, danach gehen sie durch Ahrweiler, um zu sehen, wo Hilfe benötigt wird. „In der gesamten Innenstadt ist ein permanentes Hämmern, Schleifen oder Sägen zu hören“, beschreibt Maus die Geräuschkulisse. Freiwillige Helfer von Außerhalb könnten sich direkt an den Info-Punkten melden. Die „Externen“ müssten an den Ständen nur folgenden Dreiklang komplettieren: „Ich bin, ich kann, ich habe“, zählt Maus auf. So könne beispielsweise ein Tischler einem Hochwasser-Geschädigten sofort zur Hand gehen, wenn Schreinerarbeiten benötigt werden.

Überwältigt ist der Lüdenscheider von der Hilfsbereitschaft der Menschen vor Ort. Ob es nun Jugendliche seien, die der Sanitäter mit blutenden Händen zur Erstversorgung schicken müsse oder die 70-Jährige mit einem Rollator, die den Kindern Geschichten vorlese. „Diese kleinen Gesten sind genauso viel wert wie die Millionenspenden“, ist sich Maus sicher.

Besonders beeindruckt ist der Lüdenscheider von einem todkranken Neunjährigen, der aus dem Wohnmobil seiner Eltern Kaffee anbietet und Ladekabel sämtlicher Handyhersteller bereit hält. Obwohl der Junge wisse, dass er seinen zehnten Geburtstag nicht erleben werde, freue er sich, jeden Tag den Menschen in Ahrweiler in ihrer schweren Zeit eine Kleinigkeit zu geben – ob nun eine Tasse Kaffee oder etwas Energie für das Handy.

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