Nach Gewaltorgie knapp vier Jahre Haft

LÜDENSCHEID ▪ Staatsanwalt Klaus Knierim konnte sich nicht an etwas Vergleichbares erinnern: „Es war eine ganz massive Misshandlung, wie ich sie auch in meiner langjährigen Tätigkeit noch nicht erlebt habe.“ Der Anklagevertreter forderte am Dienstag vor dem Landgericht Hagen für den 33-jährigen Lüdenscheider, der seinen Stiefvater am 13.

Juli in einer Wohnung Am Weiten Blick mit Faustschlägen, einem ausgerissenen Tischbein und Messern verletzt sowie mit einer Geflügelschere bedroht hatte, vier Jahre Haft. Die 1. große Strafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Heike Hartmann-Garschagen verhängte schließlich eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung

Außerdem ordnete die Kammer an, dass der Angeklagte zwangsweise in eine Entziehungsanstalt eingewiesen wird. Denn Bier und härtere Getränke sind ständige Begleiter im Leben des Lüdenscheiders. „Er begann schon in jungem Alter mit dem übermäßigen Konsum von Alkohol“, meinte Staatsanwalt Knierim in seinem Plädoyer. Dennoch war der Vertreter der Anklagebehörde überzeugt, dass der Beschuldigte in jener Sommernacht „voll schuldfähig“ gewesen sei – trotz wahrscheinlich mehr als 2,5 Promille Blutalkoholgehalt. Dieser Ansicht schlossen sich aber weder Strafverteidiger Dirk Löber, der in seinem Schlussvortrag die Höhe der Strafe ins Ermessen des Gerichts gestellt hatte, noch die Richter an. Hartmann-Garschagen machte vielmehr deutlich, dass Gewohnheitstrinker durchaus in der Lage seien, nach erheblichem Alkoholgenuss ohne auffällige Ausfallerscheinungen zu handeln. Daher, so die Richterin, sei eine eingeschränkte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen.

In der Tat hatte der Angeklagte, bevor die von seiner Mutter alarmierte Polizei eintraf, noch versucht, die Spuren des nächtlichen Gewaltausbruchs zu verwischen. Allerdings sprach der Zustand des Opfers – zahlreiche Prellungen und Schnitte im Gesicht, ein Unterarm, zwei Zehen, Jochbein, Oberkiefer und Augenhöhle gebrochen – eine deutliche Sprache.

Der 33-Jährige, der bereits zweimal ohne Erfolg in Therapie war, hatte die Attacke auf den Stiefvater im Gericht eingeräumt, ließ die Frage nach dem Warum aber unbeantwortet. In den Stunden vor der Tat hatte er jedenfalls reichlich Bier und Wodka getrunken. Vor diesem Hintergrund zeigte sich Rechtsanwalt Löber mit dem Urteil zufrieden: „Im Vordergrund muss die Therapie stehen.“

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