Urteil im Brandstifter-Prozess

Nach Freispruch in geschlossene Psychiatrie

Lüdenscheid - Der Brandstifter, der am 23. Januar den Dachstuhl eines Mehrfamilienhauses an der Elsa-Brändströmstraße und am 1. Juni eine Wohnung in Hagen in Brand setzte, muss bis auf weiteres in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung.

Die 4. große Strafkammer des Landgerichts verkündete am Donnerstag zwar einen Freispruch. Dieser beruhte aber nur auf der Feststellung, dass der Angeklagte bei beiden Brandstiftungen im Zustand weitgehender Schuldunfähigkeit gehandelt habe.

„Er wusste schon grundsätzlich ‚ich darf keine Brände legen’“, sah auch die Kammer ein gewisses Moralbewusstsein bei dem 41-Jährigen. Dieses reiche aber nicht aus, um in belastenden Situationen angemessen zu handeln und egoistische Impulse zu unterdrücken: „In Zukunft wäre damit zu rechnen, dass der Angeklagte bei aufkommenden Problemen wieder Brände legen würde“, erklärte die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen.

Zwar reiche eine „Minderbegabung“, wie sie bei dem 41-Jährigen vorliege, noch nicht aus für die Einweisung in eine geschlossene Anstalt. Im Falle des Angeklagten habe diese aber „erhebliche Verhaltensauffälligkeiten“ zur Folge – auch wenn die Gutachter keine psychische Erkrankung im engeren Sinne feststellen konnten. Jede Störung seiner gewohnten Ordnung nehme der 41-Jährige als Katastrophe wahr – egal, ob es sich dabei um einen zu spät kommenden Betreuer oder Müll auf dem Speicher seines Wohnhauses handelt. „Er ist nicht in der Lage, sein Leben selbständig zu führen“, stellte die Vorsitzende fest. Doch es gebe eine Ausnahme: „Das Einzige, was der Angeklagte konnte und gerne machte, war Busfahren.“

Damit ist es nun leider vorbei: „Die öffentliche Sicherheit gebietet die Unterbringung des Angeklagten“, stellte die Kammer fest.

Rechtsanwalt Frank Peter Rüggeberg bedauerte die Einweisung, die vermutlich dauerhaft Bestand haben werde. Derzeit sah er aber keine Alternative zu diesem Schritt. Er hofft nun, dass sein Mandant irgendwann aus der LWL-Klinik in Rheine nach Amelsbüren bei Münster umziehen kann. Dort betreibt der Orden der Alexianer ein psychiatrisches Krankenhaus für straffällig gewordene, intelligenzgeminderte Patienten.

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