Nach Flucht: Gesuchter stellt sich auf Polizeiwache

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Keine Gitter, keine Schlösser, kein Sprung in die Tiefe: Durch dieses Bürofenster floh der mutmaßliche Täter. ▪

LÜDENSCHEID ▪ In Begleitung seines Rechtsanwalts stellte sich gestern Nachmittag der 24-jährige Meinerzhagener auf der Polizeiwache an der Bahnhofstraße – also in dem Gebäude, aus dem er am Sonntag noch durchs Fenster eines Vernehmungsraums im Erdgeschoss geflohen war (die LN berichteten).

Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft, die keinen Antrag auf Haftbefehl stellte, kam der Tatverdächtige auch gestern wieder frei. Zum Vorwurf der Vergewaltigung hatte der Meinerzhagener laut Polizeisprecher Dietmar Boronowski keine Angaben gemacht. Näheres will Boronowski erst erklären, wenn die weiteren Ermittlungen abgeschlossen sind.

Inzwischen hat sich der Verdacht gegen den Gesuchten offenbar erhärtet. Denn nachdem ihn zunächst ein Zeuge bei der Polizei angezeigt hatte, äußerte sich inzwischen auch das mutmaßliche Opfer gegenüber den Ermittlern zu dem Fall. Laut Boronowski beschuldigte die 16-Jährige den Verdächtigen dabei ebenfalls „konkret, sie vergewaltigt zu haben“.

Der mutmaßliche Täter sollte am Sonntag von einem Beamten des Kriminaldauerdienstes vernommen werden, der eigens von Iserlohn aus zur Lüdenscheider Inspektion gekommen war. Dazu hatte sich der Polizist mit dem Beschuldigten in ein Vernehmungszimmer im Erdgeschoss zurückgezogen. Anders als auf der Seite der Wache, deren Fenster schusssicher und nicht zu öffnen sind, ist der Vernehmungsraum ein normales Büro. Hier täuschte der Meinerzhagener einen Schwächeanfall vor. Anders als zuletzt verbreitet, öffnete laut Boronowski nicht der Kripo-Beamte das Fenster, sondern der Tatverdächtige. Die Sofortfahndung blieb erfolglos, obwohl „alles, was Beine hatte“, nach dem Flüchtigen gesucht habe.

Nachdem im Sommer ein Angeklagter durch ein Fenster aus einem Verhandlungssaal des Hagener Landgerichtes geflohen war, hatte es einen Erlass gegeben, wonach alle Fenster in den Gerichten des Bezirks verschlossen werden müssen, um Fluchtmöglichkeiten einzudämmen. Bei der Polizei soll der Vorfall vom Sonntag allem Anschein nach keine ähnlichen Konsequenzen haben. Boronowski: „Über eine weitere Sicherung im Parterre machen wir uns derzeit keine Gedanken.“

Dienstrechtliche Konsequenzen hat der Kripo-Mann offenbar zunächst nicht zu erwarten. Derzeit laufe eine „interne Nachbereitung“ des Falles, um Fehler zu erkennen und für die Zukunft auszumerzen, hieß es gestern.

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