Nach Tod von Erco-Seniorchef Klaus Jürgen Maack: Nachruf eines Weggefährten

Klaus Juergen Maack

Lüdenscheid – Mit dem Erco-Seniorchef Klaus Jürgen Maack verstarb am 30. Juni 2019 eine der profiliertesten Lüdenscheider Unternehmerpersönlichkeiten der letzten Jahrzehnte. Sein langjähriger Weggefährte Otto Brauckmann erinnert sich an ihn.

Im Jahr 1949 wurden wir zusammen im Zeppelin-Gymnasium eingeschult. Wir waren in der Sexta c, Klaus Jürgen saß zwei Reihen hinter mir. Er war etwas stämmiger als die anderen Schüler und wegen seiner gutmütigen Art wurde er schnell Petzi Maack genannt. Den Spitznamen behielt er dann in unserem privaten Gebrauch bei. 

Unsere schulischen Wege trennten sich bald, und als ich einmal in den Ferien zu Hause war, las ich in der Zeitung einen ungewöhnlich interessanten Artikel über Israel. Autor: Klaus Jürgen Maack. 

"Gelernter Schwiegersohn"

Bis zu seinem Tode haben sich unsere Wege häufig gekreuzt, obwohl ich weder privat noch gesellschaftlich zu seinem Inner Circle gehörte. Ich bin lange Jahre beruflich bei Erco aus- und eingegangen und habe von meinen Besuchen bei Erco mehr gelernt als von anderen Unternehmen. 

Eine gute Erinnerung besteht an den Weihnachtsball der Gesellschaft Concordia 1959. Es wurde getanzt. Irgendwann darauf heiratete Klaus Jürgen Bärbel Reininghaus. Die Firma Reininghaus & Co war ein bekanntes Unternehmen in Lüdenscheid. Dort übernahm er schon bald Verantwortung und bezeichnete sich Freunden gegenüber gerne als gelernter Schwiegersohn. 

Kein Vertrauensvorschuss

Seine erste Großtat bestand darin, das schwiegerväterliche Unternehmen – die vereinigten Hüttenwerke, wie er sie nannte – zusammenzuführen. So baute er auf der Brockhauser Ebene einen aus der Sicht vieler Lüdenscheider viel zu großen Neubau mit einem modernen Sheddach. 

Das war der Grund für einige wohlmeinende Lüdenscheider Unternehmer, ihren Freund Arnold Reininghaus anzurufen: „Arnold, schmeiß Deinen Schwiegersohn raus, der macht Dir Dein Unternehmen kaputt.“ Jedenfalls hatte er als „nur Drucker“ bei einigen Unternehmern bisher noch keinen Vertrauensvorschuss. 

Durchbruch: Licht statt Leuchten

Ein legendärer Durchbruch für das Unternehmen war die Ausrichtung auf Licht statt auf Leuchten – ein Bruch auch mit der Tradition. Die Firma Reininghaus & Co war ja gerade mit Zugleuchten groß geworden. Das waren die Anfänge der Lichtfabrik. 

Markenprodukte benötigen ein Logo. Aus Reininghaus & Co hätte jeder Andere vermutlich „Reico“ gemacht. Klaus Jürgen Maack ging einen anderen Weg und schuf mit Hilfe des bekannten Designers Otl Aicher von der Hochschule für Gestaltung in Ulm die Bildmarke Erco, die neben dem auffallenden Design auch den Vorteil hatte, dass sie sich schützen ließ. 

Aus den Anfängen dieser Zusammenarbeit entwickelte sich eine langjährige Freundschaft, die sich für Erco mit Piktogrammen, die Aicher für die Olympischen Spiele entworfen hatte, bis heute fortsetzte. Firmenidentität zeigt sich besonders in der Schrift. So hat Otl Aicher eine neue Schrift Rotis entwickelt, die seitdem für alle Printprodukte bei Erco im Einsatz ist. 

Heimat waren Lüdenscheid und die Welt

Seine Heimat war neben Lüdenscheid immer auch die weite Welt, die er fast lückenlos bereist hat. In Erinnerung ist mir, dass er mit der Computerfirma Bull schon früh eine direkte Datenleitung nach New York installierte, um mit der Hauptstadt der Moderne in zeitnahem Kontakt zu bleiben. 

Das Programm „Licht statt Leuchten“ machte in der Folge auch neue Begriffe wie Downlights oder Schwarzlicht populär, die sich aus dem Branchenprofil ebenso abhoben wie ein Messeauftritt auf der Light und Building, als Erco keine Produkte, sondern nur eine Bühne mit Pappfiguren zeigte. 

"Licht als vierte Dimension der Architektur"

Der Anspruch „Licht statt Leuchten“ führte von selbst zur Architektur: Er prägte den Slogan „Licht als vierte Dimension der Architektur“. Hier fand Klaus Jürgen Maack in Norman Foster einen gleichgesinnten Partner, mit dem zusammen er anspruchsvolle Prestigeprojekte wie die Honkong Shanghai Bank oder den Reichstag in Berlin durchführte. 

Inzwischen ist die Anzahl der Erco- Prestigeprojekte unübersehbar geworden. Anspruchsvolle Projekte auf der Basis von Innovationen und technischem Neuland verändern auch die Kommunikation zum Kunden. Kunden waren ja längst nicht mehr nur Händler oder Installateure, sondern Architekten und Lichtplaner. 

Klaus Jürgen Maack verglich einmal das neu gebaute technische Zentrum mit einem Blauleinen oder Overall, der für das Unternehmen Kompetenz abstrahlt. In einem speziellen Raum für die Vorführung von Lichteffekten – Mock Up Raum – zeigte Klaus Jürgen Maack dem heimischen Wirtschaftskreis nach der Einweihung auf spektakuläre Art mit psychedelischer Musik, welche Effekte sich allein mit Licht erzielen lassen. 

Hohe Ansprüche

„365 technische Neuheiten pro Jahr“ war sein anlässlich einer Tagung im neuen Zentrum erklärtes Ziel. Die Umsetzung dieses Anspruches führte Erco schnell in eine Kostenfalle: Wie können wir es erreichen, dass ein Architekt auf den Philippinen auch nur von einer Neuerung erfährt? 

Klaus Jürgen Maack zeigte das Problem an einem Beispiel auf: Allein die Verteilung des Hochglanzkatalogs an die Architekten in Sao Paulo kostete bereits mehr als der ganze Katalog. In einer Klausurtagung in Hasselt gab es ein von allen Teilnehmern unterschriebenes Commitment zur Umstellung der gesamten Kommunikation auf das Internet – der Schritt vom Push auf Pull war damit getan. 

Das technische Zentrum mit einem voll ausgebauten Multimedia-Saal diente in der Folge vielen Treffen und Schulungen – an mehreren habe ich teilgenommen. In einer Veranstaltung mit dem „Who is Who“ der deutschen Industrie für SAP-Anwender riss Maack die Zuhörer mit Witz und Humor buchstäblich von den Sitzen: „Wenn man hier nicht Schwiegersohn ist, wird man bei Erco so leicht nichts.“ 

"Ich habe hier nichts mehr zu sagen"

Das war Monate vor seiner Pension, deren Anfang er so erklärte: „Am ersten Tag danach fahre ich nach San Diego aus dem einfachen Grund, weil ich noch nicht da war.“ Wer ihn am Tag danach sprechen wollte, den verwies er an seinen Nachfolger mit der Bemerkung: „Ich habe hier nichts mehr zu sagen.“ 

Als in den Lüdenscheider Nachrichten ein Interview zu meinem Buch „Die digitale Revolution in der industriellen Fertigung“ erschien, rief er mich sofort an und nahm sich dann für einen ganzen Tag zusammen mit der Produktionsleiterin die Zeit, Digitalisierung bei Erco vorzuführen. 

Der aktuelle Hochglanzkatalog umfasst 1000 Seiten vollgestopft mit technischen Informationen und meisterhaften Produktfotos. Jedes dieser Produkte wurde im Zuge der Digitalisierung von Grund auf neu entwickelt. 

Ich habe mit Klaus Jürgen Maack am Freitag vor seinem Tod noch länger telefoniert – er wollte mich zu einem Symposion im Oktober einladen. Er verbreitete dabei Optimismus, obwohl es ihm nach seinen Aussagen dreckig ging. „Am Dienstag muss ich nach Essen und danach kann ich fünf Monate nicht mehr Auto fahren“. Am Sonntag ist er gestorben.

Von Otto Brauckmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare