Nach Tod des Eigentümers: Stadt kämpft um Grundstück - mit italienischer Familie

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Im September 2000 stand das Alte Pfarrhaus noch an der Loher Straße. Heute deuten nur noch Trümmerreste auf das einst denkmalgeschützte Gebäude hin, das Grundstück verwuchert und ist eingezäunt.

Lüdenscheid – Vor rund zwei Jahrzehnten führte die Stadt die ersten Diskussionen wegen eines Grundstücks. Doch für das alte Pfarrhaus an der Loher Straße 2 kamen vor etwa 15 Jahren alle Bemühungen zu spät. Nun gehen die Verhandlungen weiter.

Das einstige Baudenkmal – wahrscheinlich um 1750 errichtet – wurde damals nach langjährigen Verhandlungen zwischen Stadt, Eigentümer, Anliegern und Denkmalschützern abgerissen. Nun will die Stadt das Grundstück kaufen – und hat erste Ideen, was dort entstehen könnte. 

Zur Erinnerung: Eine denkmalgerechte Sanierung war für den Eigentümer aus Italien wirtschaftlich nicht mehr tragbar, hieß es damals. Doch eigentlich sollte das Gebäude in den alten Maßen in Anlehnung an die alten Fassaden wieder aufgebaut werden. Passiert ist in der Hinsicht aber nichts. 

Bis heute deuten lediglich noch Trümmerreste auf das einst denkmalgeschützte Gebäude hin. Das Grundstück ist verwuchert. 

Das Alte Pfarrhaus an der Loher Straße

Doch nun ist klar: Seit längerer Zeit steht die Stadt in Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer aus Italien – inzwischen in nächster Generation. Allerdings: „Die Verhandlungen ziehen sich“, sagt Stadtsprecher Sven Prillwitz auf Nachfrage. 

Doch sicher sei: Die Stadt wolle das Grundstück erwerben. „Wenn‘s nach uns ginge, wären die Verhandlungen schon abgeschlossen.“ Ganz so einfach scheint das aber nicht zu sein, was unter anderem auch an der räumlichen Distanz zum heutigen Eigentümer, der ebenfalls in Italien lebe, liege. Weitere Gründe für die lange Verhandlungsdauer gab die Stadt nicht an. 

Ideen für ein Projekt

Wie das Grundstück in Zukunft genutzt werden könnte, dafür hat die Stadt dagegen schon erste Pläne: „Es gibt bereits Ideen für ein Projekt“, sagt Prillwitz. Denkbar sei, eine bessere Anbindung zwischen der Altstadt und dem Oberstadtparkplatz zu schaffen, zwischen denen das Grundstück liegt. „Der Parkplatz ist stark frequentiert, das bietet sich an“, sagt Prillwitz. Ideal sei nach Angaben der Stadt außerdem die Kombination mit einer Gastronomie. 

Dafür müsste es aber erst mal zum Verkauf kommen. Gastronomie sollte übrigens bereits in das einstige alte Pastorat einziehen. Jedenfalls laut des Plans des damaligen Besitzers Dr. Livio Gava aus dem Jahr 1998, der noch bis zum Abriss als letzter Bauantrag im Rathaus vorlag, wie aus damaligen Berichterstattungen unserer Zeitung hervorgeht. Danach sollte im Untergeschoss des historischen Gebäudes ein italienisches Spezialitätenrestaurant mit etwa 40 Sitzplätzen eröffnen. 

Die Denkmalbehörde war damals zwar Kompromisse eingegangen, dennoch kam es nicht zur Umsetzung. Stattdessen gammelte das Gebäude lange vor sich hin, verfiel zusehends. Und das insbesondere zum Ärger der Anlieger, die es etwa als „Schandfleck“ bezeichnet hatten. 

Ende des Jahres 1999 hatte der Eigentümer beantragt, das Denkmal abzureißen. Doch die Denkmalschützer sahen anfangs keine ausreichende Begründung dafür. Nachdem sich im Jahr 2000 der Kulturausschuss des Stadtrates dafür ausgesprochen hatte, das ehemalige Pastorat aus der Denkmalliste herauszunehmen, zogen später auch die Denkmalschützer ihr Nein gegen eine Abbruchgenehmigung schweren Herzens zurück. 

"Lüdenscheid hat zu wenig historische Bausubstanz"

Der Rat segnete den beantragten Abriss schließlich ab, der jedoch erst deutlich später, nach 2003, erfolgte. Der damalige Heimatvereinsvorsitzende Hartmut Waldminghaus hatte einen deutlichen Appell in Richtung Rathaus formuliert. 

2003 sagte er: „In unserer Stadt müssen für den Erhalt herausragender Baudenkmale rechtzeitig politische Entscheidungen getroffen werden.“ Und: „Lüdenscheid hat zu wenig historische Bausubstanz, als dass wir uns einen solchen Umgang mit einem der ältesten Häuser leisten dürfen. Die Qualität einer Stadt oder eines Stadtteils ist ein höheres Gut als die Rentabilität eines einzelnen Objektes.“

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