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Nach Corona: Mehr Anträge für Kleinen Waffenschein im MK

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Von: Olaf Moos, Leon Malte Cilsik

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Während Corona sind die Anträge auf den Kleinen Waffenschein gestiegen.
Während Corona sind die Anträge auf den Kleinen Waffenschein gestiegen. © Oliver Killig

In Deutschland werden Gas- und Schreckschusswaffen wieder beliebter. Nach Medienberichten unter Berufung auf das Bundesinnenministerium, waren Ende April im nationalen Waffenregister 756 619 sogenannte kleine Waffenscheine registriert. Das waren 16 581 mehr als noch zu Jahresbeginn.

Im Jahr 2021 hatte es insgesamt einen Anstieg um 34 532 auf 740 038 Erlaubnisse gegeben. Im Märkischen Kreis spiegelt sich der bundesweite Trend: Bis zum Stichtag am 21. Juli sind 2022 laut Kreis-Pressesprecherin Ursula Erkens 190 neue Anträge eingegangen – 2021 waren es noch 162.

Trendumkehr bei Waffenbesitz

Damit vollzieht die Entwicklung eine Trendumkehr: Im vergangenen Jahr berichteten wir noch über eine deutlich gesunkene Nachfrage. Hintergrund war, dass die Zahl der Antragsteller von 391 im Jahr 2019 auf 222 ein Jahr später gesunken war. 2021 setzte sich diese Entwicklung zunächst fort, damals bemühten sich sogar nur noch 162 Personen um die behördliche Erlaubnis.

Insgesamt ist es aktuell 5 125 Menschen im Märkischen Kreis polizeilich gestattet, Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen auch außerhalb der eigenen Wohnung bei sich zu tragen. Die Waffen müssen von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) zugelassen und mit dem entsprechenden PTB-Prüfzeichen versehen sein.

Den Anstieg auf Gründe wie Existenzängste im Zuge der Pandemie und Inflation oder Bedenken zum Konflikt in der Ukraine zurückzuführen, wäre reine Spekulation. Denn wir fragen bei der Ausstellung nicht nach den persönlichen Gründen.

MK-Polizeipressesprecher Lorenz Schlotmann

Die Polizei macht die Erteilung der Erlaubnis und die Aushändigung des Kleinen Waffenscheins von festen Bedingungen abhängig. Wer den Schein haben will, darf keine Vorstrafen haben. Ausgenommen sind Freiheitsstrafen, Jugendstrafen oder Geldstrafen von weniger als 60 Tagessätzen. Außerdem muss ein Antragsteller sich verpflichten, seine Waffen sicher aufzubewahren. Er muss volljährig sein und darf keine Suchterkrankung haben.

Zur Klärung der Zuverlässigkeit holt die zuständige Behörde die Stellungnahme der örtlichen Polizei, einen Auszug aus dem Zentralen Staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister sowie einen Auszug aus dem Bundeszentralregister und seit dem 20. Februar 2020 auch eine Abfrage beim Verfassungsschutz zur Person des Antragstellers ein.

Polizei beobachtet die Entwicklung

„Als Waffenbehörde haben wir den aktuellen Anstieg natürlich registriert und beobachten die Entwicklung genau“, sagt Polizei-Pressesprecher Lorenz Schlotmann. Bei den Gründen für die gestiegene Nachfrage könne die Polizei dennoch nur mutmaßen: „Den Anstieg auf Gründe wie Existenzängste im Zuge der Pandemie und Inflation oder Bedenken zum Konflikt in der Ukraine zurückzuführen, wäre reine Spekulation. Denn wir fragen bei der Ausstellung nicht nach den persönlichen Gründen.“

Generell sei der Erwerb des Kleinen Waffenscheins aus polizeilicher Sicht nicht immer nachvollziehbar: „Es handelt sich lediglich um die Erlaubnis zum Führen der Waffe, nicht zu deren Benutzung. Wer zum Beispiel auf einer Hochzeit in die Luft schießt, macht sich unter Umständen trotzdem strafbar.“

KLEINER WAFFENSCHEIN

Zum bloßen Erwerb einer Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffe mit PTB-Prüfzeichen und der zugehörigen Munition genügt in Deutschland die Volljährigkeit – Erwerb und Besitz sind erlaubnisfrei. Da der Erwerb von PTB-Waffen nicht offiziell registriert wird, ist auch unklar, wie viele Waffen es tatsächlich in Privathaushalten gibt. Rechtlich eingeschränkt ist hingegen das Mitführen der Waffe in der Öffentlichkeit. Dafür muss man einen Kleinen Waffenschein bei sich tragen. Grundsätzlich verboten sind diese Waffen auf öffentlichen Veranstaltungen wie Demonstrationen, Versammlungen, Theater-, Kino- oder Konzertbesuchen.

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