Nach Unfall: MVG verhängt „Informations-Stopp“

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Minuten nach dem Unglück sichern Einsatzkräfte die Unfallstelle, bevor die MVG den Wagen abschleppen lässt.

Lüdenscheid - Auch zwei Wochen nach dem Busunfall auf dem Sauerfeld gilt die Ursache offiziell als ungeklärt. Nach zunächst widersprüchlichen Stellungnahmen aus der MVG-Spitze erklärte deren Sprecher Jochen Sulies jetzt einen generellen „Informations-Stopp“.

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Drei Tage nach dem Unglück hatte Sulies erklärt, ein technischer Defekt sei „erst einmal“ ausgeschlossen, alle Wartungen an dem neun Jahre alten MAN-Bus seien erfolgt. Damit schien ein grob fahrlässiges Verhalten des 23-jährigen Fahrers für die Chefetage nahezuliegen. Am 3. Januar erklärte Sulies, Verdachtsmomente gegen den Fahrer hätten sich „teilweise relativiert“. Gestern sagte der MVG-Sprecher: „Wir müssen erst einmal alles zusammentragen.“ Die Frage, wie lange das dauert, beantwortete Jochen Sulies mit: „Auf unbestimmte Zeit.“

Auch von der Polizei ist, wie zu erfahren war, nicht mehr Klarheit zu erwarten. Die Behörde hat nach den Worten von Polizei-Pressesprecher Dietmar Boronowski keinerlei Ermittlungen eingeleitet – geschweige denn dafür gesorgt, dass der demolierte Linienbus zwecks neutraler Untersuchung durch einen Unfallsachverständigen sichergestellt wird. Somit war auch die Staatsanwaltschaft zu keinem Zeitpunkt in das Verfahren eingebunden.

Bilder von der Unfallstelle:

Busunfall in Lüdenscheid

Stattdessen, sagte Boronowski, hätten die Beamten Heiligabend vor Ort lediglich eine mündliche Verwarnung gegen den Fahrer ausgesprochen und die Bußgeldstelle verständigt. Automatisch seien – „wie bei einer normalen Unfallaufnahme“ – die Stadt als Eigentümerin der zerstörten Ampel und die MVG angeschrieben worden.

Angesichts der Tatsache, dass niemand verletzt wurde, seien die Maßnahmen der Beamten direkt nach dem Unfall vertretbar. Dietmar Boronowski: „Das kann man durchaus so machen.“

Kommentar: "Schlechter Witz" von Olaf Moos

Olaf Moos

Die Unfallursache gilt offiziell als ungeklärt. Ob ein technischer Defekt an dem Linienbus vorlag oder der junge Fahrer einen Fehler gemacht hat, auch diese Fragen sind zwei Wochen nach dem Vorfall unbeantwortet. Die einzige positive Nachricht: Es wurde niemand verletzt.

Der Rest klingt wie ein schlechter Witz: Ein herrenloser Bus der MVG walzt eine Ampel platt und demoliert einen Fahrbahntrenner. Ein Abschleppwagen der MVG schleppt den zerbeulten Bus in die MVG-Werkstatt. MVG-Mechaniker suchen nach der Ursache, der Fahrer darf bei seinen MVG-Chefs antanzen, und der MVG-Pressesprecher will dann irgendwann kundtun, ob die MVG-Techniker den Bus nicht richtig gewartet haben – oder ob der Fahrer dann doch der Schuldige ist.

Neutrale Begutachtung des Unfalls, bei dem immerhin ein dicker Sachschaden entstanden ist? Fehlanzeige. Polizeiliche Ermittlungen, die Fragen nach Verantwortung und Haftung beantworten könnten? Keine Spur. Ehrlicher und transparenter Umgang des Unternehmens mit seinen Beschäftigten? Nicht zu spüren. Stattdessen zunächst Widersprüche, dann Hinweis auf „Idiotenversicherung“, dann „Informations-Stopp“.

Die MVG ist ein Unternehmen des Märkischen Kreises. Der amtierende Landrat war zuvor Vorsitzender des MVG-Aufsichtsrates und ist jetzt auch Chef der Kreispolizeibehörde, die in diesem Fall ungewöhnlich zurückhaltend agiert. Nachgewiesen ist damit natürlich erst mal nichts, aber die Konstellationen lassen ein „Gschmäckle“ entstehen.

Die MVG ist offensichtlich um ihr Image besorgt und will ihre Kunden nicht verunsichern. Aber sie sollte sich als öffentliches Unternehmen, das mit Steuermitteln wirtschaftet, in die Karten gucken lassen. Sympathie braucht Vertrauen. 

Video vom Unfalltag:

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