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Nach Benzinpreis-Schock: Für tausende Kunden im MK wird das Heizen teurer

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Von: Leon Malte Cilsik

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Stadtwerke Lüdenscheid
Die Stadtwerke Lüdenscheid bereiten ihre Kunden auf steigende Gaspreise vor. © Cedric Nougrigat

Auch für die Stadtwerke Lüdenscheid bleiben die hohen Gaspreise nicht folgenlos. Eine Preiserhöhung rückt immer näher. Die Verbraucherzentrale NRW gibt Tipps, wie Verbraucher nun sparen können.

Lüdenscheid – Die hohen Energiepreise werden den Verbrauchern derzeit täglich auf den Anzeigetafeln der Tankstellen vor Augen geführt. Bald könnte für Lüdenscheider der Blick auf die Heizkostenabrechnung ähnlich schmerzhaft werden. Ein Sprecher der Stadtwerke Lüdenscheid bestätigt, dass sich das Unternehmen aktuell mit einer Preiserhöhung beschäftigt. Damit läge der größte heimische Gasversorger im Trend. Rund um Lüdenscheid haben bereits weitere Anbieter teils drastische Erhöhungen von mehr als zehn Prozent angekündigt.

Auf Anfrage, ob und wann ihre Kunden mit einer Preiserhöhung rechnen müssen, erklärte Stadtwerke-Sprecher Uwe Reuter: „Natürlich haben die aktuellen Beschaffungspreise einen Einfluss auf die Kostensituation. Der konkrete Zeitpunkt einer Preisanpassung steht – auch marktbedingt – noch nicht fest. Generell gilt: Jeder Grundversorger, hier die Stadtwerke Lüdenscheid, ist verpflichtet, seine Kunden per Brief sechs Wochen vor einer Änderung der Strom- oder Gaspreise zu informieren.“

Vorstand und Geschäftsführung schlagen die neuen Tariferhöhungen vor. Der Aufsichtsrat muss formal zustimmen, folgte in der Vergangenheit aber den Berechnungen der Geschäftsführung. Jeweils bis Mitte Dezember informierten die Stadtwerke ihre Kunden, um die gesetzliche Sechs-Wochen-Frist zum 1. Februar einzuhalten. Bei Preisanpassungen gilt für die Kunden ein Sonderkündigungsrecht.

Erhöhungen beim Gaspreis waren in Lüdenscheid lange die Ausnahme: Zwischen 2012 und 2019 blieben die Preise konstant. Zum 1. Februar 2019 schlugen die Stadtwerke dann 8,3 Prozent im Tarif „Komfort Gas“ auf. Ein Jahr später ging es noch einmal sechs Prozent nach oben. Die Erhöhungen begründete der Energieversorger mit gestiegenen Einkaufspreisen, Steuern und Abgaben. 2021 gab es keine weitere Steigerung. Das wird sich 2022 aller Voraussicht nach ändern.

Christina Wallraf, Energiereferentin bei der Verbraucherzentrale NRW, weist darauf hin, dass die Anbieter die aktuelle Situation für schnelle Preiserhöhungen nutzen könnten: „Überall liest man aktuell in den Medien von der wachsenden Konjunktur, leeren europäischen Gasspeichern, Wartungsarbeiten an der Infrastruktur und dem im Januar eingeführten CO2-Preis. So können die Anbieter ihre Erhöhungen natürlich einfacher durchsetzen. Da sie in der Regel für Jahre auf Vorrat kaufen, ist es schwierig zu unterscheiden, ob sie wirklich unter Zugzwang stehen oder die Situation nur ausnutzen.“ Für sie ist es daher nicht die Frage ob, sondern nur wann und in welchem Umfang die Preiserhöhungen kommen.

Verbrauchern empfiehlt Wallraf, sich die Preissteigerungen nicht immer gefallen zu lassen. „Das Niveau wird sich mit gefüllten Speichern und der neuen Pipeline North Stream 2 wahrscheinlich wieder normalisieren. Aktuelle Prognosen verheißen für 2023 bereits wieder deutlich niedrigere Preise.“ Daher könnten sich übergangsweise auch kurzfristige Anbieterwechsel ohne Preisgarantie lohnen. „Allein bei der Grundversorgung lassen sich 100 bis 200 Euro pro Jahr sparen – und das ohne Wechselbonus. Auf keinen Fall sollten sich Verbraucher heute aber für zwei oder drei Jahre zu einem hohen Versorgungspreis binden.“

Allerdings gibt auch die Energiereferentin zu bedenken, dass die Gaspreise sukzessive steigen werden. „Die Anhebung des CO2-Preises wird das Gas Jahr für Jahr teurer machen. Doch dieser Anstieg ist planbar, das aktuelle Niveau hat hingegen verschiedene Gründe. Daher bleibt es wahrscheinlich eine Ausnahme und ist nicht die neue Norm.“

Rund um Lüdenscheid sind einige Anbieter bereits konkreter geworden. In Nachrodt haben die Stadtwerke Iserlohn den Gaspreis zum 1. Oktober um sechs Prozent erhöht. Die Begründung: gestiegene Beschaffungskosten und der CO2-Preis. In Plettenberg und Werdohl steht die neue Preisstaffelung noch nicht fest, erste Hinweise gibt es aber bereits. Dr. Uwe Allmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Plettenberg, kündigte an, dass für etwa ein Drittel der Kunden die Kosten um rund 15 Prozent steigen werden. Davon gingen drei bis vier Prozent auf die gesetzlich vorgeschriebenen Erhöhungen zurück. Auch für die rund 2 800 Kunden der Stadtwerke Werdohl wird das Gas 2022 teurer. Geschäftsführer Frank Schlutow stellt eine Preiserhöhung mit Mehrkosten von 10 bis 15 Euro pro Monat in Aussicht.

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