Angriff mit Hammer

Nach Attacken im Psycho-Wahn: Mann darf Altena nicht mehr verlassen

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Der Mann machte sich mehrerer Attacken schuldig.

Altena/Lüdenscheid - Weil er im Psycho-Wahn wahllos Menschen in Lüdenscheid angriff, bekommt ein 33-Jähriger nun eine besondere Strafe: Er darf Altena nicht mehr verlassen. 

Nun hängt fast alles vom Verhalten und der verbliebenen Einsichtsfähigkeit eines 33-jährigen Bewohners des Kohlberghauses ab: Die 9. große Strafkammer des Landgerichts beschloss am Dienstag seine Unterbringung in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus. 

Doch diese wurde zur Bewährung ausgesetzt, da es seit seiner Ankunft in der Altenaer Pflegeeinrichtung keine gravierenden Probleme oder gar Gewalttaten mehr gegeben hatte. Eine entscheidende Bedeutung kommt der regelmäßigen Einnahme von Psychopharmaka zu. 

Seit der durchgehenden Akzeptanz von Medikamenten und der damit einhergehenden „gewissen Behandlungsbereitschaft" habe sich der Zustand des 33-Jährigen sichtlich verbessert, berichtete der psychiatrische Sachverständige Dr. Nikolaus Grünherz und fügte hinzu. „Er braucht eine Einrichtung, in der er leben kann. Er darf nie obdachlos werden."

Das war in der Vergangenheit nach dem Verlust der Bleibe im Haus Hellersen und während des vorübergehenden Aufenthalts in der Obdachlosenunterkunft der Stadt Lüdenscheid schiefgelaufen. Die Übergriffe auf einen Mitbewohner der Unterkunft sowie auf einen Rollstuhlfahrer und einen Mitarbeiter des Kulturhauses waren in diesem Zeitraum geschehen. 

Die Richter hatten keinen Zweifel daran, dass diese Taten so geschehen waren, wie die Zeugen davon berichtet hatten. „Man kann froh sein, dass der Hammer nur dieses geringe Gewicht hatte", stellte Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn in seinem Plädoyer fest. Für die Kammer lieferte dieser Umstand einen guten Grund, nicht von einem versuchten Tötungsdelikt auszugehen.

Der Gutachter machte deutlich, dass der 33-Jährige bei allen Taten unter dem Eindruck seiner psychotischen Wahnvorstellungen handelte und deshalb nicht schuldfähig war. Unbehandelt gehe von ihm ein erhebliches Risiko weiterer vergleichbarer Straftaten aus.

Die Richter zogen eine ganze Reihe von Sicherheitsmaßnahmen ein, die als Bewährungsauflagen den weiteren Aufenthalt im Kohlberghaus bestimmen sollen:

Der 33-Jährige muss für die nächsten Jahre im geschützten Bereich der Einrichtung leben, regelmäßig seine Medikamente nehmen und mit der Institutsambulanz der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer zusammenarbeiten. Die Stadt Altena darf er ohne ausdrückliche Genehmigung nicht verlassen. 

Auch der Genuss von Alkohol oder Cannabis-Produkten, die der Gutachter als sehr schädlich für den Geisteszustand des 33-Jährigen bezeichnet hatte, kann zum sofortigen Widerruf der Bewährung führen. Vor seiner Rückkehr nach Altena hatte der Beschuldigte noch eine Frage: „Wie lange läuft die Bewährung?" „Fünf Jahre", erwiderte der Vorsitzende Richter Bernhard Kuchler. „Ich habe vor, erstmal im Kohlberghaus zu bleiben", sagte der 33-Jährige in seinem Letzten Wort.

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