Mutter soll Brille aus Hartz-IV-Satz ansparen

Auch das Geld für Brillen oder Zahnersatz müssen Hartz-IV-Empfänger von 382 Euro im Monat ansparen.

LÜDENSCHEID ▪ Als doppelten Nackenschlag empfindet eine alleinerziehende Lüdenscheiderin, die mit zwei kleinen Kindern von Hartz-IV-Leistungen lebt, ihre jüngsten Bescheide vom Jobcenter.

Um wieder im Berufsleben Tritt zu fassen, hatte die 29-Jährige (Name der Red. bekannt) die Teilnahme an einer Umschulung beantragt, für die sie laut Augenarzt zudem eine Brille bräuchte. Sie erhält beides nicht: Die Umschulung wurde jetzt ebenso abgelehnt wie die Sehhilfe. Die Brille sei, wie es im Bescheid vom Jobcenter heißt, „keine Leistung nach dem Sozialgesetzbuch 2“, eine Zahlung daher „leider nicht möglich“.

Wie die Lüdenscheider Jobcenter-Leiterin Jutta Busenius erläuterte, ist die Lüdenscheider Mutter damit alles andere als ein Einzelfall: „Solche Nachfragen müssen wir, wie auch beim Zahnersatz, regelmäßig ablehnen.“ Das falle auch den Sachbearbeitern nicht leicht, doch sei man an Recht und Gesetz gebunden. Und demnach seien die Kosten für eine Brille grundsätzlich zu einem kleinen Prozentsatz in der Regelleistung enthalten. Die liegt für eine erwachsene Person bei 382 Euro im Monat. „Als es noch Sozialhilfe gab, waren die Regelleistungen niedriger, doch Brillen wurden bezahlt.“ In Hartz IV seien sie eingepreist.

Der Logik des Gesetzes zufolge müssen Empfänger, die Brillen brauchen, das Geld also über Monate oder Jahre ansparen. Dabei geht es weder um Luxusmodelle noch um „Fensterglas“: Im Fall der Lüdenscheiderin, die schon über eine Teilleistung glücklich gewesen wäre, liegen die Kosten bei 200 Euro. Geld, zu dem auch die Krankenkasse nichts hinzubezahlt.

Mit der Absage des Jobcenters zur Brille habe sie gerechnet, erklärte die Betroffene. „Als ich vor einiger Zeit nach eine Kiefer-Erkrankung Zähne verlor, erhielt ich eine ähnliche Auskunft.“

Aus ihrer Sicht ist es jedoch angesichts der Einkommensverhältnisse vieler Leistungsempfänger unrealistisch, sich davon noch Brillen oder gar Zahnersatz abzuknapsen. „Beides wird doch auch sofort benötigt. So muss ich mit Sehbehinderung und Zahnlücken erst einmal lange meinen Alltag bestreiten.“

Dass ihre Armut damit sichtbar wird, beschäme sie. Lösungen über Darlehen, wie sie in besonderen Lagen vom Jobcenter angeboten werden, seien angesichts der oft vorhandenen Verschuldung nach Scheidungen kein Ausweg. Diesen Vorschlag habe es in ihrem Fall gar nicht erst gegeben.

Hilfe in der Not erhält die junge Mutter jetzt über die Initiative „Glücksbringer“ unserer Zeitung. Denn sie will sich weiter um eine neue Ausbildung bemühen, um den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen. „Ohne Brille könnte ich aber nicht lesen, was an der Tafel steht.“ - hgm

Kommentare

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Kommentare

GuestAntwort
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"Hohle Sprüche" ??? Wieder ein Fopa dennen Sie anderen wie z.B. mir ankreiden. Ich kann Sie leider nicht mehr für voll nehmen. Tut mir leid. Die These mit dem Glashaus trifft bei Ihnen vollstens zu.

Online-RedaktionAntwort
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Dekret

Von meinem iPhone gesendet

Am 23.02.2013 um 22:39 schrieb "Disqus" <notifications@disqus.net>:

BrillenschlangeAntwort
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Conti kann offenbar nicht lesen! Habe ich etwas von € 200,- geschrieben? Etwas hinzudichten oder Aussagen wunschgemäß verdrehen, das können in diesem Forum sehr viele. Üben Sie erst ein Lesen und Denken, bevor Sie hier, um bei Ihren Worten zu bleiben "auf die Kacke hauen". Sind wohl intellektuell etwas zu kurz gekommen, sonst hätten Sie sich diesen Kommentar gespart. Aber jeder blamiert sich so gut er kann.