Überraschende Entwicklung

Mutmaßlicher Drogenhändler aus Lüdenscheid überraschend auf freiem Fuß

Drogen in Plastiktüte
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Symbolbild

Es geht um den angeblichen Verkauf von fünf Kilo Amphetamin. Und um das Ausheben einer vermeintlichen Drogenküche in einer unscheinbaren Wohnung an der Winkhauser Straße in Lüdenscheid. Doch der Prozess am Hagener Landgericht birgt Überraschungen.

Lüdenscheid - Der Angeklagte, ein 42-Jähriger mit 20 Vorstrafen auf dem Konto und solider Knasterfahrung, schmort deshalb seit fünf Monaten in Untersuchungshaft. Doch der Prozess vor der 9. großen Strafkammer entwickelt sich ganz anders als von der Staatsanwaltschaft geplant.

Schon am ersten Verhandlungstag droht die Anklage in sich zusammen zu fallen wie ein Kartenhaus. Einerseits ist der gelernte Kfz-Mechaniker, verteidigt von Rechtsanwalt Martin Düerkop aus Iserlohn, meilenweit von einem Geständnis entfernt. Andererseits entpuppen sich zwei wichtige Belastungszeugen als „Wackelkandidaten“.

Zeuge aus Lüdenscheid verweigert Angaben

Der erste ist ein 29-jähriger Arbeitsloser mit Vorliebe für dicke Autos – 5er-BMW oder Audi Q7. Er will den Angeklagten „nur so vom Sehen“ kennen. Noch ist er auf freiem Fuß, wurde aber vor wenigen Monaten wegen Besitzes der fraglichen fünf Kilogramm illegaler Substanzen rechtskräftig zu viereinhalb Jahren verurteilt. Seinen Lieferanten hat er damals nicht preisgegeben.

Der Vorsitzende Richter Christian Hoppe hat seine Probleme mit dem Zeugen. Der 29-Jährige gibt sich patzig. Zur Vorgeschichte will er sich nicht äußern. Er fährt den Richter an: „Was fragen Sie mich hier nach meinem ganzen Leben? Stehe ich hier unter Anklage, oder was?“ Hoppe reagiert schmallippig. „Nein, Sie sind hier, um als Zeuge Fragen zu beantworten.“ Ob er denn jetzt etwas über seine Quelle erzählen will. Antwort: „Auf keinen Fall!“

Ein weiterer Mann betritt den Gerichtssaal. Der 44-Jährige gilt als Tippgeber, weil er mit einer freiwilligen Aussage bei der Polizei ein Ermittlungsverfahren angestoßen und indirekt für das Auffliegen der Drogenküche gesorgt hat. Er bezeichnet sich als „schwerst heroin- und kokainabhängig“ und würde am liebsten gar nichts sagen, erklärt er.

Als der Richter ihn darauf hinweist, dass er ihn auch in Beugehaft nehmen könnte, besinnt sich der Zeuge – und trägt trotzdem nicht zur Wahrheitsfindung bei. „Ich war leider permanent drauf, immer benebelt, betäubt.“ Benzodiazepine und Subotext hochdosiert, dazu täglich zwei Flaschen Wodka. Er könne sich an nichts erinnern.

Staatsanwalt Axel Nölle fragt ihn: „Räumen Sie ein, dass Sie den Angeklagten falsch bezichtigt haben?“ Der Zeuge: „Nee, da würde ich mich ja selbst belasten.“ Strafverteidiger Martin Düerkop lehnt sich zurück. „Ich habe keine Fragen.“ Es klingt vergleichsweise entspannt.

Nicht ohne Grund. Eineinhalb Stunden nach Ende des ersten Prozesstages fassen die Richter einen Beschluss: Der Haftbefehl gegen den Angeklagten wird mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Der 42-Jährige darf zurück nach Lüdenscheid, zu seiner Frau und zwei Kindern.

Der Prozess wird am 2. Dezember um 9.30 Uhr im Saal 101 des Landgerichts fortgesetzt.

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