Muslime halten sich an Kontaktverbot: Ramadan ohne Besuch in der Moschee

Der Lüdenscheider Schauspieler Murat Isboga und sein Sohn Ömer: Sie nehmen die Corona-Beschränkungen ernst.

Lüdenscheid - Wie das Läuten der Kirchenglocken gehört der Gebetsruf von der Moschee zur Tradition gläubiger Muslime. Normalerweise findet der Gebetsruf in Lüdenscheid innerhalb der Ditib-Gemeinde am Lehmberg statt. Derzeit ist die Moschee jedoch geschlossen – auch wenn der Fastenmonat Ramadan begonnen hat.

„Am Donnerstag vor dem Ramadan beginnt der Fastenmonat mit einem Extragebet. Das ist quasi der Auftakt“, erklärt der Lüdenscheider Schauspieler und Theaterpädagoge Murat Isboga. Der Ramadan sei eine heilige Zeit, auch in Zeiten der Corona-Krise: „Das werden die Leute akzeptieren müssen.“ 

Der Zentralrat der Muslime hatte bereits Mitte April an die Gemeinden appelliert, sich auch während des Fastenmonats an die wegen der Coronavirus-Pandemie verhängten Einschränkungen zu halten. „So schwer es uns fällt, unsere Moscheen im heiligen Monat Ramadan weiter geschlossen zu halten, so ist es unsere religiöse und bürgerliche Verantwortung, in der aktuellen Phase genau das zu tun“, hieß es.

 Am 30. April sollen Gottesdienste ein Thema bei der Besprechung der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sein. Neben den christlichen Kirchen werden auch Moscheen und Synagogen wieder schrittweise öffnen können.

 „Der Ramadan ist eine Zeit, in der man viel betet und sich zusammensetzt. Da muss jetzt jeder seinen eigenen Weg gehen“, sagt Isboga. Gläubige Muslime in aller Welt fasten vier Wochen lang. Essen oder trinken sind im Fastenmonat tagsüber tabu. Erst nach Sonnenuntergang wird das tägliche Fasten gebrochen und gegessen und getrunken. 

Daneben ist die Gemeinschaft im Ramadan besonders wichtig. „Das ist schwierig, aber das ist ja auch der Sinn des Ramadans. Man geht aber auch mit einer anderen Psyche da ran. Der Körper gewöhnt sich an den Rhythmus“, so Isboga. Er selbst geht nicht viel vor die Tür, seine Eltern seien in Pflegeberufen.

 Traditionell wird das tägliche Fasten im Ramadan nach dem Abendgebet mit dem Iftar, einem festlichen Abendessen, gebrochen. Aber das sei nicht Religion, sondern Tradition: „Ich hoffe sehr, dass das nicht ausufert. Aber die Sonne geht ja erst spät unter. Und die Leute müssen alle arbeiten. Da kann man sich eigentlich gar nicht so lange in großen Gruppen zusammensetzen und gemeinsam essen.“ 

Auch die Moslems gehen für ein Gefühl der Gemeinsamkeit digitale Wege. Seit dem Beginn des Fastenmonats wird jeden Tag über den Kanal des sozialen Netzwerks der Ditib-Gemeinde gebetet. Um ein Signal an die Gläubigen zuhause zu senden, wird der Gebetsruf per Lautsprecher von der Ditib-Gemeinde aus erschallen: „Lassen Sie uns die Social-Media-Konten unseres Ditib-Hauptquartiers abonnieren“, heißt es in den sozialen Medien seitens des Islamisch-Türkischen Kulturvereins der Sultan Ahmet Camii Lüdenscheid am Lehmberg. 

Der Ramadan endet am 23. Mai, tags darauf beginnt das „Zuckerfest“ mit dem gemeinsamen Treffen der Gläubigen in der Moschee. Eine wichtige religiöse Pflicht zum „Zuckerfest“ ist das Festgebet am Morgen des ersten Festtages. Dazu kleiden sich die Gläubigen festlich und treffen sich in der Moschee zum gemeinsamen Beten. Die Älteren werden besucht, die Kinder beschenkt – unter den derzeit geltenden Beschränkungen nahezu unmöglich. Isboga: „Das gemeinsame Beten zum Beispiel – das ist ja bewusst auf Nähe ausgerichtet. Das soll so sein, das gehört zum Gebet dazu.“

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