9. November 1938: „Die Erinnerung bleibt“

„Die Erinnerung bleibt“ wird im Kulturhaus gespielt.

Lüdenscheid - Es ist ein kalter Novembernachmittag im Jahr 1938. Das Lebensmittelgeschäft der Frau Rosenthal ist feer, Die Aufschrift „Deutsche kauft nicht bei Juden!“ schreckt alle Kunden ab. Frau Schulz betritt mit ihren beiden Kindern den Laden, doch diesmal fühlt es sich ganz anders an. Aus Freunden und Nachbarn sind Feinde geworden. Feinde, denen Verfolgung, Vertreibung und Mord droht.

Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit erinnert mit der Verpflichtung des Theaterensembles der eSw, eines westfalenweit arbeitender Jugendverbandes der Evangelischen Jugend im Rheinland, Westfalen und Lippe, an die Pogromnacht vom 9. November 1938. Schülerinnen und Schüler in Westfalen zwischen 14 und 18 Jahren haben hierzu ein innovatives Musiktheaterstück mit dem Titel „Die Erinnerung bleibt“ entwickelt, in dem sie sich im Rahmen von Schauspiel, Film und Musik mit der Epoche des Nationalsozialismus auseinandersetzen.

Zunächst haben sich die Jugendlichen mit den Ereignissen um den 9. November beschäftigt. Schauspiel-Übungen und der Wechsel von Täter- und Opferrollen halfen ihnen, einen emotionalen Zugang zu den Figuren zu erhalten. Auch der Umgang mit Macht und die Art und Weise, wie Propaganda und Manipulation damals und heute funktionieren, wurde so für sie nachvollziehbar. Das Besondere der Gruppe: Siebzig Prozent der Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund. Einige haben Erfahrungen im Hinblick auf Verfolgung und Vertreibung.

„Der Regisseur Gandhi Chahine war im Mai in Lüdenscheid und hat sich das Bürgerforum als Spielort angesehen. Das ist ungeeignet. Deshalb gehen wir mit dem Theaterstück ins Kulturhaus“, hat Hella Goldbach Großes vor. Sie möchte Lüdenscheids Schüler der weiterführenden Schulen motivieren, sich das Theaterstück am Mittwoch, 12. November, ab 18 Uhr anzusehen. Was die Kosten angeht, seien ihr sowohl die Sparkasse, als auch Stefan Weippert als Kulturhausleiter sehr entgegen gekommen, freut sie sich, dass die Kosten im Rahmen bleiben

Das Ensemble erhebt nicht den Anspruch, ein weiteres Stück Geschichte zu erzählen, sondern vielmehr Geschichten, wie sie damals in ganz Deutschland hätten passieren können und auch passiert sind. Seit 2013 tourt das Ensemble mit dem Stück durchs Land, spielte bereits in Köln, Bielefeld, Essen, Hagen und nun in Lüdenscheid. Der vielfach ausgezeichnete Regisseur Gandhi Chahine, Projektmanager Dirk Schubert und Paul Gaffron von der eSw haben das Projekt entwickelt.

Hella Goldbach ist klar, dass sich der große Saal des Kulturhauses nicht allein durch das Aufhängen von Plakaten füllt. Daher werden in den nächsten Tagen Flyer in vierstelliger Zahl angeliefert und verteilt. Und die Mitglieder der Gesellschaft werden das persönliche Gespräch mit den Rektoren und Fachlehrern der Schulen suchen, da, so Goldbach, die Möglichkeit besteht, den Besuch der Theatervorstellung zu einer schulverpflichtenden Veranstaltung zu machen.

Karten kosten im Vorverkauf drei Euro plus Gebühren und sind an der Theaterkasse zu haben. - rudi

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