Musikschule will nicht nur Anhängsel der Schulen sein

Mehr Zusammenarbeit mit den Schulen erwarten die Musikschulleiter Franz Schulte-Huermann (li.) und Martin Nieswandt.

LÜDENSCHEID - Immer mehr Nachmittagsangebote an den Schulen, Zusatzbelastungen für Kinder und Jugendliche durch Hausaufgaben auch nach langen Schultagen: Das bereitet inzwischen nicht nur Sportvereinen Probleme, sondern längst auch der städtischen Musikschule.

An der Altenaer Straße hat man sich zwar auf die Ballung von Unterrichten am späteren Nachmittag eingestellt. Doch wenn dann noch mitten im Schuljahr unangekündigt Stundenpläne geändert werden, sind die Musikschulleiter Franz Schulte-Huermann und Martin Nieswandt machtlos. Haben einzelne Schüler urplötzlich keine Zeit mehr, dann platzen an der Altenaer Straße unversehens Ensemble-Unterrichte, und ganze Angebote oder lange vorbereitete Auftritte müssen ausfallen.

Dabei ist Schulte-Huermann und Nieswandt klar, dass Mathe und Deutsch Vorrang vor dem Cello haben. „Wir wollen auch keiner Schule etwas vorschreiben, wir wollen gemeinsam Lösungen suchen. Das setzt aber voraus, dass uns alle Schulen tatsächlich als Bildungspartner akzeptieren und nicht als bloßes Anhängsel sehen.“

Bislang habe es allein die evangelische Kirche geschafft, mit ihren Konfirmandenunterrichten in den Stundenplänen berücksichtigt zu werden. Für die Musikschule könne etwa das „Drehtür-Modell“ eine Lösung sein. Dabei erhielten einzelne Kinder Musikschultermine, die sie nur wenige Unterrichte in wechselnden Fächern verpassen ließen. Ein anderer Weg könnte die Intensivierung des Zugangs für die Musikschule in die Klassen sein – wie es schon heute in Bläser- und Streicherklassen erfolgreich praktiziert werde. „Wenn Schule vom Wissensvermittler zum Lebensraum wird, dann sollte sie auch mehr von außen zulassen“, meint Schulte-Huermann.

Am wichtigsten aber ist den Musikschulleitern mehr Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit bei den Stundenplänen. Ähnlich wie für die MVG wäre auch für die Musikschule eine bessere Koordinierung der beweglichen Ferientage wünschenswert.

Im Alltag werde die gewachsene Belastung der Kinder an vielen Stellen spürbar. Etwa, wenn die Konzentrationsfähigkeit im Musikunterricht gegen Null läuft, weil am Vormittag zwei Klassenarbeiten und zwei Tests geschrieben wurden. Nieswandt: „Das ist immer dann besonders schade, wenn so etwas ganze Auftritte verhagelt, auf die unsere Schüler stolz sein sollten.“

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