Prof. Ralph Spintge für Musikmedizin ausgezeichnet

+
Prof. Dr. Ralph Spintge bei seiner Dankesrede nach der hohen Auszeichnung in Frankfurt.

Lüdenscheid - Am Anfang stehen Neugier und die Überzeugung: Musik kann angst- und schmerzlösend wirken. Am Ende steht die Gewissheit: Die Wirkung des musiktherapeutischen Ansatzes ist klinisch nachgewiesen. Das ist das Lebenswerk des Lüdenscheider Arztes Prof. Dr. Ralph Spintge (60), der seit 1981 an der Sportklinik Hellersen arbeitet und als deren Leitender Arzt für Schmerztherapie er wirkt.

Von Olaf Moos

Nun hat ihn die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) mit seinen 4600 Mitgliedern in Frankfurt „für seine bedeutende Rolle in der Etablierung der Musikmedizin in der Schmerzmedizin“ mit dem Schmerzpreis 2015 ausgezeichnet.

Die fast hanseatische Zurückhaltung, für die Dr. Spintge im Patienten- und Kollegenkreis bekannt ist, weicht einer leidenschaftlichen Rhetorik, sobald er über den Stellenwert von Musik in der Medizin spricht. Dann berichtet er über die Anfänge seiner Bemühungen und seine Erfahrung, „dass wir hier in Deutschland sehr konservativ sind“.

Weshalb er seine ersten Forschungen auch in den USA anstellt. „Dort geht man pragmatischer mit diesem Thema um.“ In den Bundesstaaten Utah und Georgia untersucht der Arzt aus Lüdenscheid die akustische Umwelt in Inkubatoren. Statt hektischem Stimmengewirr, piependen Apparaten oder dem auf- und zuklappenden Deckel des Inkubators gönnt der Forscher den Frühchen mit kleinen Lautsprechern zum Beispiel die vertraute Stimme der Mutter. „Und wir haben Mozarts Klarinettenkonzert abgespielt.“

Was in Deutschlands Schulmedizin zu dieser Zeit noch beargwöhnt wird, machen sich die pragmatischen Amerikaner zunutze. Im Durchschnitt können akustisch wohlversorgte Babys den Inkubator drei Tage früher verlassen als zuvor. Ein Tag kostet laut Dr. Spintge 7500 Euro. Der Nachweis der medizinischen Wirksamkeit und gleichzeitig des ökonomischen Profits – etwa für Wachkoma-Patienten oder auf Palliativ-Stationen – überzeugt Kritiker nach und nach auch hierzulande. Zahlreiche Forschungen, Publikationen und Symposien später ist jetzt der vorläufige Höhepunkt der Annerkennung seiner Arbeit erreicht.

In seiner Laudatio auf den Preisträger sagt DGS-Präsident Dr. Gerhard Müller-Schwefe: „Im Zentrum seines ärztlichen Wirkens steht das Ziel, Patienten zu einer besseren Lebensqualität zu verhelfen.“ Weiter heißt es: „Die von ihm getragene wissenschaftliche Begründung der Musikmedizin hat einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dieses Ziel mit besonders nebenwirkungsarmen Möglichkeiten zu erreichen.“

Die Aufzählung seiner Tätigkeiten im Dienste dieses Fortschritts liest sich so: Dr. Spintge hat sich als Leiter des Regionalen Schmerzzentrums der DGS in Lüdenscheid für eine bessere Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen eingesetzt. Er ist Leitender Abteilungsarzt für Algesiologie (Interdisziplinäre Schmerztherapie) sowie Leiter des Regionalen Schmerzzentrums der DGS und des Musikmedizinischen Forschungslabors an der Sportklinik Hellersen, Professor für Musikmedizin an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und Präsident der International Society for Music in Medicine.

Er hat zahlreiche Bücher, Fachartikel und CD-Programme zu den Themen Angst, Schmerz sowie Musik in der Medizin verfasst, war wissenschaftlicher Leiter von 13 internationalen Symposien in Deutschland, USA, und Australien. Er ist Co-Editor-in-Chief des International Journal Music and Medicine sowie Mit-Gründungsherausgeber der Zeitschrift für Musik und Gesundheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare