Ausstellung

Westfalen im Mondfieber: Lüdenscheider bauen Teile für Vergeltungswaffe

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Museumsleiter Dr. Eckhard Trox und Ursula Delhougne mit dem wissenschaftlichen Buch von Alfred Rahmede.

Lüdenscheid – Was 1969 ein echter Renner im Kinderzimmer war, wird heute mit Samthandschuhen angefasst: der Dux Astroman, ein Spielzeugroboter, den die damals in Lüdenscheid ansässige Firma Markes herstellte. Einer der letzten seiner Art schlummert derzeit friedlich und batterielos in seiner bunten Pappschachtel, Arm in Arm allerdings mit der zweifach gefalteten Gebrauchsanweisung.

Eine der sechs Seiten besteht aus einem Zeitungsausriss mit einem fiktiven Bericht der Mondlandung in der damals noch Zukunft des Jahres 1964. In dem Artikel wurde der Einsatz der Astroman- Roboter auf dem Mond geschildert. Nun bekommt er eine neue Mission: Astroman gehört zu den Exponaten, die der Ausstellung „Westfalen im Mondfieber“ in den Museen ein Gesicht geben. In den Museen ist man durchaus stolz darauf, dass die Firma Markes eines der letzten Exemplare für die Ausstellung zur Verfügung stellt. 

„Dass der noch funktioniert, glaube ich nicht“, sagt Ursula Delhougne (Museen), „aber ich will ihn auch auf gar keinen Fall kaputtmachen.“ Sorgsam legt sie an diesem Vormittag in den Museen den Astroman wieder in seinen Karton.

Am 1. September wird die Ausstellung „Westfalen im Mondfieber“ eröffnet. Dann liegen lange Monate intensiver Recherchen hinter dem Museumsteam.

Denn wenngleich auch die Ausstellung vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe getragen wird, so ist die heimische Region doch eng mit dem Thema verbunden: „Die Entwicklung des Raketenbaus hat immer auch eine militärische Komponente, und die wird nicht ausgespart. Teile für Hitlers Vergeltungswaffe V2 wurden hier in der Region hergestellt, zum Beispiel bei der Firma Gustav Schmale an der Bräuckenstraße“, erläutert Museumsdirektor Dr. Eckhard Trox.

„Westfalen im Mondfieber“ wandert durch sieben Museen in Westfalen. Zu sehen sind im LWL-Teil der Ausstellung Objekte wie zum Beispiel eine Münze, die aus Originalmaterial des Apollo 11-Raumschiffes gefertigt wurde. Ein besonderer Höhepunkt ist echter Mondstaub, der mit der Apollo 15-Mission auf die Erde gelangte. Zur Ausstellung gehören auch Dinge, die den Betrachter zum Schmunzeln bringen sollen wie eine Apollo-Kochschürze. An fünf Medienstationen wird dem Jahr 1969 wieder Leben eingehaucht. Die Stationen werden in den ersten beiden Räumen der Museen aufgebaut.

Die hinteren Räume gehören traditionell der Präsentation heimischer Exponate zum Thema. Bewusst werden derzeit die LWL-Wanderausstellungen angenommen. Personal und Budget lassen mit Blick auf die geplante Dauerausstellung nicht zu, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Aber „ganz ohne“ will das Team nicht: Die Kombination aus den Exponaten des Landschaftsverbandes und heimischen Spuren zum Thema der Ausstellung hat sich bewährt.

Der Astro-Man: Aus dem Kinderspielzeug wurde ein begehrtes Sammlerstück.

Während parallel „Weimar in Lüdenscheid“ abgebaut wird, werden die Exponate für die Mond-Ausstellung sortiert und inspiziert, die die Lüdenscheider mittlerweile den Museen zur Verfügung gestellt haben. Dazu gehört zum Beispiel ein eher unscheinbares schwarzes Buch, das Magdalene Reinbach-Happel gestiftet hat. Darin hat der Lüdenscheider Alfred Rahmede akribisch seine Forschungen zur Mineralogie und Kristallografie, zur Hebräischen Trigonometrie, Differenzialabrechnung und auch mathematischen Geografie, zur Erde als Weltkörper und zum Verhältnis von Erde und Mond und den Gezeiten notiert.

Der Lüdenscheider Innovationsgeist, die Geschichte des Leichtmetalls, der Kokillenguss oder auch Lüdenscheider wie Martin Gustav Drexhage, der sich schon als Zeppelin-Gymnasiast mit dem Thema Raketenbau beschäftigte, werden thematisiert. Und auch – in Interviewform – der Abschuss von V2-Raketen im Ebbegebirge durch zwei Zeitzeugen. „Die Schilderung ist realistisch und glaubwürdig.

Die beobachteten Abschussintervalle und der Abgasstrahl stimmen“, ist Ursula Delhougne davon überzeugt, dass die damals 15-jährigen Schüler tatsächlich aus den Abschuss von V2-Raketen über dem Ebbegebirge gesehen haben. „Moonwalker“ Zu einem der Höhepunkte im Lüdenscheider Bereich werden übrigens original signierte Autogrammkarten der ersten „Moonwalker“ gehören, damals ein Massenartikel und heute von unschätzbarem Sammlerwert.

Schon als Kind habe der Sammler, der nicht genannt werden möchte, diese Karten zusammengetragen und dann später gekauft oder ersteigert. Trox: „Das ist ein ganz freundlicher, ruhiger, älterer Herr, aber wenn man mit ihm über die Mondlandung spricht, beginnen seine Augen zu leuchten.“

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