Versuch eines neuen Europas

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Der „Code Napoleon“ wird am Sauerfeld gezeigt.

LÜDENSCHEID - Das Licht ist gedämpft, den Schall der Schritte schluckt ein weicher, roter Teppich. Und gleichwohl hier und da noch Verpackungen herumliegen oder Bilder noch nicht am rechten Platz hängen, kann man sich gut vorstellen, in welchem Pomp er gelebt haben mag – Napoleon Bonaparte, um den sich die Ausstellung rankt, die morgen ab 11.30 Uhr in den Museen der Stadt eröffnet wird.

Das Entrée in die Ausstellung ist überwältigend. Seit ein paar Tagen befehligt die geflügelte Siegesgöttin Viktoria ihre Quadriga im Foyer der Museen. Stattliche 2,90 Meter messen die Pferde in der Höhe. Sie wurden direkt aus Berlin angeliefert, wo sie als Kulisse für den Comedian Mario Barth dienten. „Die Firma Hauptstadthelden hat sich da sehr großzügig gezeigt“, sagt Museumsleiter Dr. Eckhard Trox mit Blick auf das imposante Viergespann.

Internationale, nationale und regionale Leihgeber sowie das Nationalarchiv Paris und das Napoleon-Museum in Salenstein (Schweiz) haben in den letzten Wochen und Monaten ihre Exponate beigesteuert, um von morgen an bis zum 23. März 2014 die Wiederentdeckung einer Epoche möglich zu machen. „Napoleon selbst ist ja nicht vergessen, sondern eher das Ruhrdepartement“, so Trox. Am heimischen Raum sei die Zeit der Reformen, der gesellschaftliche Aufbruch, Krieg und Modernisierung, aber auch die im Zuge des Krieges wachsende Ablehnung gegen alles, was französisch war, nicht spurlos vorbei gegangen.

Ein weiterer Aspekt, so Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen, sei der Kulturtransfer, die Öffnung Richtung Frankreich, das Imitieren der französischen Kultur in Mode und Mobiliar, der dankbare Blick deutscher Adelshäuser auf das, was in Frankreich gerade aktuell war.

240 Exponatbeschriftungen wurden inzwischen durch die Mitkuratoren Dr. Dirk Eggenstein und Michael Wienand angefertigt, die helfen sollen, sich in der Ausstellung zurecht zu finden, auch wenn man nicht unbedingt geschichtsfest ist. Zu sehen sind neben Mobiliar viele Gemälde und Zeichnungen, nicht zu vergessen natürliche der „Code Napoleon“, jene französischen Gesetzbücher, die auch über die Einflussnahme Frankreichs hinaus in vielen Ländern Vorbildwirkung hatten und haben. Karten, Schriftstücke, zeitgeschichtliche Dokumente, und mittendrin Exponate wie das martialische Operationsbesteck, das im Krieg benutzt wurde, oder Waffen aus der Schlacht von Leipzig – „Nichts wird verherrlicht. Wir wollen Originale zeigen“, sagt Eggenstein im Angesicht der Kanonenkugeln.

Zum Schluss hin wird die Ausstellung leiser. „Gold gab ich für Eisen“ zeigt die Pretiosen, die die Damen jener Zeit eintauschten, um den Krieg mit zu finanzieren. Und am Ende immer wieder Berlin, die Quadriga auf dem Brandenburger Tor, die Napoleon dereinst nach Paris bringen ließ – ob als Kriegsbeute oder mit dem Plan, ein europäisches Museum zu errichten, bleibt Ansichtssache. „Wider Napoleon“ wird von einem großen Rahmenprogramm begleitet, das am Mittwoch, 4. Dezember, mit einem Schüleraustauschabend um 18 Uhr in den Museen beginnt. Nächsten Sonntag folgt der Vortrag „Unbekannte Geschichte – unbekannte Objekte“ durch Dr. Eckhard Trox (18 Uhr, Eintritt: fünf Euro). - rudi

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