Museen sammeln Andenken der Gastarbeiter

Das Team beratschlagt, welche Exponate wo aufgestellt werden.

LÜDENSCHEID - Der armenische Brautschleier, der im Keller unter den städtischen Museen an der Sauerfelder Straße liegt, wirkt fast wie neu. Und doch hat er im Grunde eine eher traurige Geschichte. Denn für die Armenierin, die ihn seinerzeit trug, war dieser goldfarbene Schleier das Einzige, was sie mit nach Deutschland nehmen konnte.

Viele der Exponate, die noch gut verpackt im Museumskeller liegen, haben ihre eigene Geschichte. Die des türkischen Boxers zum Beispiel, dessen komplette Karriere in einem Karton lagert. Arbeit war am Ende lebensnotwendiger als der Sport. Oder das alte Radio, vor dem sich die italienische Familie sonntags versammelte, um gemeinsam ein bisschen Musik zu hören. Oder der italienische Kohleofen, der, mühsam befeuert, einen Hauch von Wärme in die Wohnung im kalten Deutschland brachte. Oder, oder, oder...

Ausstellungsstücke aus 40 Nationen hat das Team des Museums inzwischen für die Ausstellung „Wir hier“ in den Museen der Stadt zusammen getragen. Am 3. Juni wird „Wir hier“ eröffnet und gibt anhand von Andenken einen Einblick in die ersten Lebenswochen der damaligen Gastarbeiter auf deutschem Boden. Zu sehen ist das Langzeitprojekt bis März 2013. „Mit einem riesigen Begleitprogramm“, sagt Michaela Ernst, die gemeinsam mit Ulrike Tütemann, Murat Isboga und Dorna Hatamlooy die Ausstellung vorbereitet: „Allein hätte ich nicht mehr geschafft. Wir hatten zu Anfang nichts und mussten alles mühsam zusammentragen. Den Zuwanderern war überhaupt nicht bewusst, dass ihre Geschichte darstellungswürdig ist. Und vieles wird jetzt mit Stolz gezeigt. Es gibt schon Pläne, wer wann wo nach Lüdenscheid reisen wird, um sich die Famliensachen anzusehen. Aber wir brauchten dringen Kontakte in die Vereine. Das übernimmt jetzt Murat Isboga.“ Die beiden jungen Leute sind mit Feuereifer dabei, mit den Vereinsvertretern und Privatpersonen zu reden, das Rahmenprogramm zu organisieren. Das kurdische Neujahrsfest Newroz zum Beispiel wird am Sauerfeld gefeiert. Am 24. März kommen hier Hunderte zusammen, um den türkischen Musiker Mikail Aslan zu hören. „Oder am 8. Mai, da wird das kroatische Muttertagsfest gefeiert. Das wird alles nicht so getragen wie bei anderen Ausstellungen. Das wird hier bunt und fröhlich“, sagt Dorna Hatamlooy und ergänzt den wohl schönsten Satz an diesem Morgen: „Jeder in dieser Stadt darf mich beneiden um diesen Job hier.“

375 Exponate aus mehr als 40 Nationen sind inzwischen aufgelistet, aber es wird weiter gesucht. „Vor allem Andenken von Spätaussiedlern wären uns noch wichtig“, so Michaela Ernst, um die Sammlung der Andenken zu komplettieren.

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