Experten ziehen Halbjahresbilanz zum Ausbildungsmarkt / 2552 Bewerber

„Müssen noch mehr werben“

Dirk Jedan, Birgit Niehaus-Malytczuk, Thomas Haensel, Gerhard Kopplin, Michael Hermund und Christian Lepping (von links) zogen am Freitag im Johanniter-Café „LebensArt“ eine Halbjahresbilanz des Ausbildungsmarktjahres 2015/2016.

Lüdenscheid - 2552 gemeldeten Bewerbern um einen Ausbildungsplatz stehen im Märkischen Kreis 2443 Ausbildungsstellen gegenüber – eigentlich ein gutes Verhältnis. Doch Wünsche der jungen Menschen und Angebote stimmen meist nicht überein.

Eine immer wieder auftretende Diskrepanz: Während in der Metall- und Elektroindustrie oder der Kunststoffverarbeitung zum Teil händeringend nach Auszubildenden gesucht wird, ist dies im kaufmännischen Berufen kein Problem. Manche gehen aus Ratlosigkeit auch erst einmal weiter zur Schule. „Dabei werden sie in Betrieben gebraucht und können dort eine duale Ausbildung absolvieren“, sagt Michael Hermund, Abteilungsleiter Arbeitsmarktpolitik des DGB Ruhr-Mark.

Am Freitag stellte Gerhard Kopplin, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, die Halbjahresbilanz zum Ausbildungsmarkt 2015/2016 vor und hielt gleich zu Beginn eine Karte hoch, auf der „Popstar ist kein Ausbildungsberuf...“ zu lesen war. Verbunden damit ist der Hinweis auf die Berufsberatung der Arbeitsagentur, denn: „Es ist trotz der guten Zahlen noch sehr viel zu tun, um den jungen Menschen mit der Vorstellung der verschiedenen Berufsfelder mögliche Perspektiven zu eröffnen – ihnen auch vernünftige Alternativen zu ihren Wunschvorstellungen aufzuzeigen.“

Dirk Jedan, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Märkischen Kreis, sagte, jeder dritte Handwerkerbetrieb suche einen Auszubildenden: „Es kommt unseren Betrieben nicht darauf an, wo er herkommt, sondern wo er hin will.“ Alle – auch Hauptschüler – seien eingeladen, sich in den Betrieben ein Bild zu machen von den verschiedenen Berufen. „Wir müssen noch mehr dafür werben.“

Dieser Ansicht ist auch Thomas Haensel, Fachbereichsleiter für Berufliche Bildung der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer: „Vielleicht kommunizieren wir unsere Region und ihre so zahlreichen Ausbildungsmöglichkeiten sowie die Wertigkeit und Attraktivität der Berufe nicht richtig.“ Auch bei den Eltern sei dies noch nicht angekommen. Diese Erfahrung mache er leider immer wieder bei Info-Veranstaltungen an Elternabenden in den Schulen.

Christian Lepping, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektroindustrie Lüdenscheid, verwies auf das Technikzentrum in der Phänomenta. „Wir werden weiter dicke Bretter bohren müssen, um die jungen Leute praktisch und betriebsnah auch für technische Berufe zu interessieren.“

Birgit Niehaus-Malytczuk, Regionalvorstand der Johanniter, sagte, es sei schwierig, Auszubildende für Pflegeberufe zu finden, während der Erzieherberuf stark nachgefragt werde.

Alle waren sich einig darin, noch mehr die Werbetrommel zu rühren, aber die Jugendlichen müssten auch bereit sein, sich auf Alternativen zu ihren Traumberuf einzulassen.

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