"Müssen mehr Härte zeigen"

Das sagen Politik und Kirche nach dem Angriff in Halle

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Symbolfoto nach Angriff in Halle

Lüdenscheid – Der Angriff auf eine Synagoge in Halle, die der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan B. aus Sachsen-Anhalt am Mittwoch mit Waffengewalt stürmen wollte, erschüttert auch die Kirchengemeinden und Politiker in Lüdenscheid und Umgebung.

Nachdem der Täter nicht in die Synagoge gelangt war, erschoss er zwei Menschen im nahen Umfeld des Gotteshauses, weitere wurden verletzt. Erst in der vergangenen Woche war Klaus Majoress, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg, im Rahmen einer Gemeindefahrt in Halle, wie er sagt. „Wir haben die Stadt als wunderschön erlebt – es ist erschreckend, was dort geschehen ist und was in unserer Gesellschaft vorkommt. Unsere Betroffenheit ist enorm.“ 

„Das erschüttert einen immer wieder neu und ist ein Skandal der allerersten Güte“, sagt Johannes Broxtermann, Pastor in der Pfarrei St. Medardus. In seiner jüngsten Fürbitte habe er über den Angriff gesprochen und für alle Juden weltweit gebetet. „Ich kann Antisemitismus nicht verstehen, das ist ein Klischee aus früheren Zeiten.“ 

"Verlust von Wertorientierung"

Doch die Politik könne wenig dagegen tun. „Das war ein Einzeltäter, das kann man nicht vorhersehen.“ Bedenken müsse man aber die „krank machenden Züge einer Gesellschaft. Dazu gehört klar der Verlust von Wertorientierung“. 

Bürgermeister Dieter Dzewas äußert sich deutlich zu der Tat: „Mein ganz tiefes Mitgefühl gilt den Opfern, den Angehörigen und auch der Stadt. Eine so menschenverachtende und abscheuliche Tat kann man kaum fassen.“ 

Am Donnerstagabend ging es beim Forum des Heimat- und Geschichtsvereins um „Die vergessenen Juden von Lüdenscheid“. Nach der Veranstaltung schloss Bürgermeister Dieter Dzewas ein Gedenken an der Gedenktafel an der Rückseite der Stadtbücherei an. „So können wir ein Stück weit unsere Solidarität zum Ausdruck bringen.“ 

"Müssen Taten folgen"

Erschüttert und solidarisch mit den Opfern zeigt sich auch der SPD-Landtagsabgeordnete Gordan Dudas. „Letztendlich muss sich etwas ändern“, sagt er und sieht dabei auch die Politik in der Pflicht. 

„Nach den Worten aus der Vergangenheit müssen Taten folgen. Wir müssen uns als Gesellschaft positionieren, wenn es Hetze gegen Minderheiten gibt. Und viel mehr Härte zeigen.“ Das gelte für alle Bereiche in der Gesellschaft. „Wo Hetze ist, müssen wir aktiv dagegen gehen“, sagt Dudas. 

"Wollen, dass man sich nirgends sicher fühlt"

Doch hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht, sagt CDU-Ratsherr Oliver Fröhling. „Diese Leute wollen, dass man sich nirgends sicher fühlt – und das gelingt ihnen im Grunde. Man kann sich kaum dagegen schützen.“ CDU-Vorsitzender Ralf Schwarzkopf sieht vor allem ein Problem in den Hassbotschaften im Internet. „Wir müssen das verbieten und dürfen nicht locker lassen. Damit sie sich nicht auf diese Weise vernetzen können.“

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