Müntefering: „Müssen Hochleistungsland bleiben“

Franz Müntefering und Bundestagskollegin Petra Crone beschäftigen sich mit dem Thema „Demographischer Wandel“.

LÜDENSCHEID ▪ Auf Mallorca sitzen, den Rentenscheck zuschicken lassen und ansonsten mit der Heimat oder gar der Politik nichts mehr am Hut haben – das ist Franz Münteferings Ding nicht. Deshalb hat der 71-jährige Bundespolitiker auch kein Verständnis für so manchen seiner Altersgenossen: „Demokratie kennt keinen Schaukelstuhl. So lange der Kopf klar ist, bist Du mit verantwortlich dafür, was hier passiert.“

Das hochrangige politische SPD-„Urgestein“ aus dem Sauerland reist derzeit als Leiter der Arbeitsgruppe „Demographischer Wandel“ seiner Bundestagsfraktion durch die Lande, um Ideen zu sammeln, wie man vor Ort dem demographischen Wandel begegnen, wie man ihn „beherzt gestalten“ kann. Diese Ideen gelte es zu systematisieren, betonte er am Montag bei einem Lüdenscheid-Besuch. Noch in dieser Legislaturperiode werde man zu klären haben, mit welchem Konzept man der alternden Gesellschaft begegnen wolle. Auf jeden Fall durch aktive Mitwirkung, sei es im Beruf, im Ehrenamt, in der Politik: „Wir sind eine zeitreiche Gesellschaft. Wir haben zehn Jahren oben drauf. Was machen wir damit?“

Was in Lüdenscheid damit gemacht wird, was gewünscht, erhofft wird, erfuhr er durch viele Gespräche. Nachmittags traf sich Müntefering erst mit Bürgermeister Dieter Dzewas, Petra Crone (MdB) und SPD-Ratsvertretern im Rathaus, danach ging’s zu einer Fachdiskussion mit Seniorenheimleitern weiter. Abends referierte er auf Einladung der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung im Roten Saal des Kulturhauses zum Thema: „Wir werden weniger, älter, bunter. Wie der demographische Wandel unser Land verändert.“ Fazit: „Wir müssen vor dieser Entwicklung keine Angst haben, wir müssen nur Hochleistungsland bleiben.“

Die Diskussion müsse allumfassend geführt werden, forderte er: „Wir dürfen nicht jammern über die Kinder, die uns fehlen, sondern wir müssen uns kümmern um die, die wir haben.“ Deshalb müsse eine Stadt, die die Menschen halten wolle, dreierlei vorweisen können: gute, qualifizierte Ausbildungsangebote bis zum Abitur, sichere und qualitativ hochwertige Arbeitsplätze sowie die Perspektive, dort gut alt werden zu können. Die Themen, die die Menschen bewegen, reichen, das zeigte die Diskussion, von der Pflege über Mindestlohn und Banker-Boni, über Schulden, Kultur bis zum Imageproblem bestimmter Berufe. Doch auch, wenn die Themen die gleichen seien – Ausprägung und Antworten seien von Ort zu Ort sehr verschieden. Jede Stadt müsse auf Besonderheiten reagieren, dafür brauche sie die finanzielle Ausstattung.

„Wir werden bunter, aber die Gesellschaft akzeptiert das nicht“, kritisierte abschließend ein türkischstämmiger Lüdenscheider. Solange einem ein Haus am Bierbaum nicht verkauft werde, weil man einen Migrationshintergrund habe, bleibe echte Integration schwierig.

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