Wahrheit oder Legende?

+
Das Münchner Ensemble „theaterlust“ zeigte auf der Kulturhaus-Bühne „Die Päpstin“.

Lüdenscheid - Eine faszinierende Geschichte, gekonnt umgesetzt von energiegeladenen Schauspielern: Das Münchner Ensemble „theaterlust“ zeigte am Mittwochabend auf der Kulturhausbühne „Die Päpstin“, die Geschichte um eine junge Frau, der die Karriere nur als Mann vergönnt war.

Es geht um Intrigen. Um ein düsteres Frauenbild im 9. Jahrhundert. Um Gewalt, um bedingungslosen Glauben, um die Macht der Kirche. Um listige Kleriker, die ihren Einfluss nicht verlieren wollen. Und nicht zuletzt auch um die Frage, ob es sie wirklich jemals gegeben hat – jene Johanna, die monatelang als vermeintlicher Mann auf dem Heiligen Stuhl gesessen hat. Wahrheit oder Legende? Die Quellen sind nicht verlässlich.

„Die Päpstin“ ist zumindest aber ein Stoff, aus dem sich Vieles machen lässt. 1996 der Verschwörungsroman von Donna W. Cross, 2009 der Film des Regisseurs Sönke Wortmann, 2011 das Musical des deutschen Komponisten Dennis Martin. Und seit 2014 das Schauspiel der Münchner „theaterlust“ in einer Bühnenfassung von Susanne Felicitas Wolf und unter der Regie von Thomas Luft.

Johanna (Anja Klawun) lebt in Ingelheim am Rhein. Im 9. Jahrhundert nach Christus hat nur die Kirche das Sagen. Niemand verlässt seinen angestammten Platz. Eine Frau schon gar nicht, gilt sie doch nur wenig mehr als das Vieh. Bildung ist nur Auserwählten zugänglich. Doch Johanna will lernen – Latein und Griechisch, die Heilkunst. Schon als Kind ist sie in der Lage, die Heilige Dreifaltigkeit zu deuten. Doch Schicksalsschläge treiben sie zu der Erkenntnis: Wenn sie Gottes Werk in der Welt tun will, dann kann sie das nur als Mann. Als „Bruder Johannes“ geht sie ins Kloster. Und als „Bruder Johannes“ kommt sie bis nach Rom und schließlich auf dem Heiligen Stuhl. Doch dann taucht mit dem totgeglaubten Gerold die Liebe ihres Lebens wieder auf. Für Johanna die Zerreißprobe: Folgt sie ihrem Herzen oder ihrer Berufung?

Karg das Bühnenbild, großartig die Umsetzung: Ein jeder der Münchner Schauspieler schob immer wieder eine große Holzkiste hin und her. Gemeinsam schufen die Darsteller so eine flexible Kulisse. Mal wurden die Kisten zum Sarg, mal zum Boot, dann wieder zur Mauer, zum Thron, zum Tor, zum Versteck.

Durch geschickt eingesetzte Videoprojektionen wurden die Zuschauer im gut gefüllten Saal förmlich hineingezogen in die brutale Wirklichkeit des Mittelalters. Durch das Umstapeln der Kisten wechselten die Szenen. Nur hier und da musste ein Erzähler hilfreich eingreifen, um dem Zuschauer die komplexe Geschichte zu erläutern. Licht und Live-Musik durch einen Musiker im Halbdunkel taten ein Übriges, um den Zuschauer zu leiten.

Die Münchner Schauspielerin Anja Klawun in der Rolle der Johanna faszinierte in der nahezu dreistündigen Inszenierung mit starker Ausdruckskraft, wenngleich auch nach der Pause ein wenig die Tiefe und Dramatik des ersten Teils verlorenging. Was bleibt, sind Gedanken darüber, ob es sie wirklich gab. Ob es möglich war, die macht-verblendeten Kleriker im einstigen Rom so zu täuschen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare