Mit der MS-Westfalen über den Mississippi

Grenzen verschwimmen: Noch Bigge oder schon Mississippi?

LÜDENSCHEID ▪ Gute Musik, frische Biggeseeluft und ein geselliges Beisammensein mit Freunden und Gleichgesinnten – das ist das Erfolgsrezept der Riverboat-Shuffle des Jazzclub Lüdenscheid.

Am Samstag stach Kapitän Wolfgang Keseberg, Chef der „Weißen Flotte“ auf dem Biggesee bei Olpe, mit der MS-Westfalen und rund 300 Jazzfreunden in See. Bei angenehmem Sommerwetter, das zu längeren Aufenthalten an Deck unter freiem Himmel einlud, sorgten zwei Bands für gute Musik und Feierlaune.

Auf dem unteren Deck gab sich mit „Figga’s Jazz Docs“ die Hausband des Jazzclub Lüdenscheid die Ehre. Sorgte die Formation um Dr. Jürgen „Figga“ Ulm (Klarinette, Gesang) bisher überwiegend im „Panoptikum“ in der Humboldtstraße für Stimmung, bewies sie nun vor noch größerem Publikum, dass sie mit ihren traditionell interpretierten Dixieland-, Swing- und Mainstream-Klassikern ein echter Stimmungsgarant ist. Neben Charlie Viesehon (Trompete), Gerd Mehlgarten (Posaune), Bernd „Bobby“ Bobbenkamp (Kontrabass) und Dr. Manfred Möhl (Banjo) wurde „Figga“ diesmal von Hans Schäfer am Schlagzeug unterstützt, der nicht zur Stammbesetzung der Jazz Docs gehört. Bei Stücken wie „C-Jam-Blues“ spielten sich die Routiniers gegenseitig die musikalischen Bälle zu und überzeugten ein ums andere Mal mit gelungenen Solo-Einlagen. Natürlich durfte auch die einzige Eigenkomposition der Combo, „Figga’s Blues Boogie“, nicht fehlen, bei der Frontmann Dr. Jürgen Ulm neben seiner Virtuosität an der Klarinette auch seine Stimmgewalt als Sänger unter Beweis stellte.

Auf dem Mitteldeck kamen vor allem die Freunde von Cajun- und Zydeco-Musik auf ihre Kosten. Zumindest zwei der drei Musiker des seit drei Jahren existierenden „International Cajun Trios“ sind in der Region bereits durch Auftritte in anderen Formationen bekannt. So ist der US-Amerikaner Helt Oncale (Fiddle, Gesang, Gitarre, Mandoline, Banjo) auch in Sachen „Country“ unterwegs, und der Franzose Yannick Monot (Gesang, Akkordeon, Gitarren, Mundharmonika) war mit seiner eigenen Band „Nouvelle France“ unter anderem bei der Jazz-Gala im Mercure-Hotel zu Gast. Komplettiert wurde das Trio durch Biber Herrmann, dessen Spezialgebiet im erdigen Blues liegt, den das Cajun-Trio ebenfalls hin und wieder spielt. So konnten die begeisterten Zuhörer unter anderem bei Muddy Waters’ „Can’t be satisfied“ mitfeiern oder die Geschichte über einen kleinen roten Hahn hören, der von der Farm entlaufen ist („Little Red Rooster“ von Willie Dixon). Ausgelassen tanzen konnte man zu „Black Bottom Strut“ oder bei „The Bosco Stomp“, beides echte Klassiker aus New Orleans. In den Sumpfgebieten Louisianas, jenem Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen, entwickelte sich die lebensfrohe Cajun- und Zydeco-Musik, die das Trio seinen Fans auf variantenreiche Weise näher bringt. Zur Bootstour auf der Bigge passte diese Musik perfekt.

Wie immer feierten die Jazz-Freunde auch noch nach Einbruch der Dunkelheit, als die „MS Westfalen“ längst wieder am Anleger festgemacht hatte, bis in die Nacht weiter. Schon jetzt können sich die Jazz-Fans auf das nächste Konzert am Freitag, 24. September, ab 20.30 Uhr im Panoptikum freuen. Auf der Bühne stehen dann die Musiker von „Chicken Rag“, die sich auf die Musikrichtung „Rag-O-Billy“ spezialisiert haben. ▪ bot

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