Ausstellung in den Museen 

Lüdenscheider sind vom "Mondfieber" infiziert

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Das "Mondfieber" ist auch in Lüdenscheid ausgebrochen.

Lüdenscheid – Diese Infektion scheint ansteckend zu sein: Denn zur Eröffnung der Ausstellung über den Sommer 1969 und „Westfalen im Mondfieber“ kamen am Sonntag zahlreiche Besucher in die Museen am Sauerfeld. Einige von ihnen waren auch Leihgeber von Exponaten, denn Kuratorin Ursula Delhougne hatte für die lokalen Ergänzungen zu der Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes entsprechende Aufrufe gestartet.

In ihrer Begrüßungsrede warf die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Museen einen tiefen Blick in die Rätsel des Kosmos und gestand „ein riesengroßes schwarzes Loch“ an jenem Ort, der Antworten auf die Frage nach möglichen lokalen Beiträgen zur ersten Mondlandung am 20. Juli 1969 geben sollte.

„Mir war kein lokaler Beitrag bekannt. Keiner der Astronauten war ein gebürtiger Lüdenscheider.“ Die Ausstellung dokumentiert, dass diese Schwärze einem bunten und teilweise sehr überraschenden Ausstellungspanorama gewichen ist. Es zeigt, „was unsere Stadt mit diesem großen Abenteuer verbindet“.

Zunächst ist es das Aluminium, ohne das die Entwicklung des gerade für Raketen unverzichtbaren Leichtbaus nicht denkbar gewesen wäre. Ursula Delhougne erinnerte an den Mut heimischer Metallunternehmer in Lüdenscheid, Werdohl und Altena, die weitsichtig genug waren, das zuvor skeptisch beäugte Aluminium als ein leistungsfähiges Metall zu entdecken und seine Bearbeitung voranzutreiben.

Die eigentliche Wiederentdeckung der Mondfieber-Recherchen war jedoch ein ehemaliger Physiklehrer am Zeppelingymnasium. Ursula Delhougne ging einem Hinweis der Familie Scheidtweiler nach und stieß auf Martin Gustav Drexhage (1912 bis 1977), der seine Lehrertätigkeit und seine von der Firma Busch-Jaeger eingerichtete Werkstatt nach dem Studienabschluss in Göttingen gegen eine Tätigkeit als Physiker bei den Junkers-Motorenwerken eintauschte. Später war er in Peenemünde an der Entwicklung der V2-Raketen beteiligt. Das wiederum war eine Empfehlung für die Amerikaner, die den Physiker nach dem Krieg zum Chefkonstrukteur für Raketenantriebssysteme machten.

Ursula Delhougne erinnerte aber auch an die dunklen Seiten dieses „begnadeten Wissenschaftlers“: Martin Gustav Drexhage sei ebenso wie Wernher von Braun in Nordhausen gewesen, wo KZ-Häftlinge im Lager Mittelbau-Dora Raketenteile montierten. Diese finstere Seite der Raketen-Entwicklung, die letztlich in die Saturn-V-Rakete für die Mondmissionen mündete, dokumentiert ein eigener Raum in der Ausstellung. Zwei heimische Augenzeugen erinnern sich in aufgezeichneten Interviews an Abschüsse der V2 im Februar 1945 im Ebbegebirge.

Verena Burhenne vom LWL-Museumsamt in Westfalen führte in die Exponate der Mondfieber-Wanderausstellung ein. Sie erinnerte daran, dass der Urgroßvater von Neil Armstrong 1864 aus Ladbergen im Münsterland nach Amerika ging. Eine besondere Rolle spielte auch die Sternwarte in Bochum, die nachweisen konnte, dass die von der Apollo-11-Mission empfangenen Signale tatsächlich vom Mond kamen. Der erste Westfale im Weltraum war Ulrich Walter aus Iserlohn, der 1993 mit einer Columbia-Mission zur Internationalen Raumstation flog. 

Auch Bürgermeister Dieter Dzewas erinnerte sich an seine mediale Mondlandung. Er wies alle Verschwörungstheorien zurück und würdigte den technischen Beitrag der heimischen Region zu dem abenteuerlichen Unternehmen. Er hofft nun auf viele Besucher „mit einer Affinität zur Raumfahrt“.

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