Wohnungsnotfallhilfe

Mittler zwischen Vermietern und Risiko-Mietern

+
Der Wettbewerb um freie Wohnungen nimmt zu. Wohnungsnotfallhelfer setzen auf besseren Kontakt zu Vermietern.

Lüdenscheid - „Es wäre schön, wenn man die Vorteile einer Zusammenarbeit klarmachte“, sagte Sabine Moritz anfangs. Am Ende der Fachtagung „Knapper Wohnraum – wer darf rein?“ stand die gemeinsame Erkenntnis: „Das ist angekommen.“

Ein erster Schritt für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Wohnungsnotfallhilfe und großen Vermietern zum Wohle von Mietern in problematischen Verhältnissen ist somit gemacht.

Der nächste Schritt wird ein Treffen im kleineren Kreis – um im Gespräch zu bleiben. Drei Verbände sind vor Ort in der Wohnungsnotfallhilfe tätig: das Perthes-Werk, der Caritasverband und die Johanniter. Auf der anderen Seite: die Wohnungswirtschaft. Für die stünden wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, sagt Sabine Moritz, beim Perthes-Werk im Bereich „Ambulant betreutes Wohnen“ tätig. „Für die Wohnungswirtschaft sind Menschen mit sozialen Schwierigkeiten ein Risiko.“

Dazu komme, dass der Wohnungsmarkt durch eine neue Mietergruppe – Flüchtlinge, die hier bleiben – enger werde. Auch deshalb ist den Wohnungsnotfallhelfern das Signal für ihre Klientel wichtig: „Wir können unterstützen und wahrscheinlich dazu verhelfen, dass die Miete gezahlt wird.“

Eine Vermittlung zwischen Vermieter und Mieter könne selbst dann noch zum guten Ergebnis führen, wenn schon die Kündigung ausgesprochen sei. Rechtzeitig eingebunden, könne man auch manche Zwangsräumung abwenden. Weiterer wichtiger Aspekt: für Menschen, die stationär wohnen (etwa im Amalie-Sieveking-Haus) dezentrales Wohnen anzubieten. Auch dafür sei eine Zusammenarbeit mit dem Vermieter wichtig.

Somit waren reichlich Ansätze für die Podiumsdiskussion gegeben. Weitere Impulse kamen vom Referenten Andreas Kämper (Gesellschaft für Organisation und Entwicklung, Bielefeld) sowie von Bürgermeister Dieter Dzewas. Der ging auf die aktuelle Entwicklung Lüdenscheids ein, das noch vor zwei Jahren „in nicht unerheblichem Maße Schrumpfregion“ gewesen sei. 

„Heute können wir überhaupt nicht kalkulieren, wie sich die Bevölkerungszahlen weiterentwickeln.“ Den Druck auf die Außengrenzen spüre auch der Wohnungsmarkt. Neubauten fehlten. Für die Stadtverwaltung bedeute das: „Um als Kommune Fördermittel zu bekommen, muss man ein Wohnungskonzept nachweisen.“ Wichtig sei also, einen „halbwegs vernünftigen Datenbestand“ zu bekommen. All das sei aber nicht nur Sache der Kommunen, sondern untrennbar verbunden mit einer „faireren Verteilung sozialer Lasten zwischen den politischen Einheiten“.

Dass Bevölkerungsschwund nicht automatisch mehr Wohnraum bedeute, machte Dzewas deutlich: „Die Zimmerchen, die die jungen Leute freimachen, weil sie wegziehen, die kommen nicht auf den Wohnungsmarkt.“ Selbst Einfamilienhäuser würden in einer alternden Gesellschaft oft so lange wie möglich von nur einer Person bewohnt. Eine Antwort auf die Frage „Wie sieht’s denn aus mit Wohnraum?“ sei entsprechend schwer. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare