„Mitglieder sterben, Einnahmen versiegen“

Bei den Wahlen wurden die Vorstandsmitglieder weitgehend bestätigt. Neue zweite Vorsitzende wurde Gerda Wagner.

LÜDENSCHEID ▪ Vertreibung bedeute nicht einfach das Verlassen der Heimat. Sie bedeute Zwang, Flucht und Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen. Sie bedeute Trauma, das auch die Nachfolgegenerationen betreffe, die ihre Prägung in traumatisierten Elternhäusern erhielten. Mit diesen Worten schlug die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Kreisverband Lüdenscheid, Brigitta Gottmann den großen Bogen von damals bis heute.

Ihr Bericht anlässlich der Vollversammlung enthielt weitere Fakten: 342 Mitglieder zählt der im Jahr 1950 gegründete Verein, der kreisweit in zwei Ortsverbänden und acht Landsmannschaften organisiert ist, fünf davon in Lüdenscheid. Dennoch: Diese relativ große Zahl kann nicht über Nachwuchssorgen hinwegtäuschen. „Mitglieder sterben, Einnahmen versiegen“, berichtete Gottmann über die Situation des Verbandes auf Landesebene. In einer Zeit, wo die Themen der Vertriebenen politische Beachtung finden und Gedenkstätten geschaffen werden, sei dies besonders tragisch.

Doch die Finanzsituation in Lüdenscheid ist dank einiger Spenden noch gut. Dies wurde im Kassenbericht deutlich, den Kassiererin Barbara Somborn vorlegte. Dieter Mayer, der der Lüdenscheider Landsmannschaft Ostpreußen vorsteht, referierte über Massengräber in der Heimat. So habe das Massengrab Marienburg für Schlagzeilen gesorgt. Die Massaker von Marienburg seien erfolgreich verschleiert worden, es gebe tausende von unschuldigen Toten und keinen Kläger. Kurz hinter der deutsch-polnischen Grenze sei im Januar dieses Jahres zufällig ein Massengrab bei Straßenarbeiten entdeckt worden. 48 000 Tote liegen dort bei Waldenburg. 37 weitere mysteriöse Gräber seien gefunden worden. „Diese Dinge bleiben zumeist unbeachtet“, so Mayer.

Es folgten Kurzberichte aus den Ortsverbänden und Landsmannschaften, in denen vor allem eins deutlich wurde: Dass überall ein reges Vereinsleben besteht mit vielfältigen Feiern, Monatstreffen, Besichtigungen, Fahrten und Wanderungen. In diesem Jahr soll am 4. September der Tag der Heimat im Kulturhaus begangen werden. „Pfarrerin Monika Deitenbeck-Goseberg hat ihr Kommen zugesagt und wird referieren“, teilte Gottmann mit.

Bei den Wahlen wurde sie als Vorsitzende, Somborn als Kassiererin, Bernhard Feige als zweiter Schriftführer sowie die Beisitzer Hildegard Fastenrath und Gerhard Schlosser in ihren Ämtern bestätigt. Gerda Wagner wurde neue stellvertretende Vorsitzende. Die langjährige Kulturwartin Irmtraud Holzinger wurde mit Worten des Dankes und einem Präsent aus ihrem Amt verabschiedet. Sie sei unter großem Einsatz über viele Jahre tätig gewesen und scheidet aus gesundheitlichen Gründen aus.

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