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Mitfiebern im MK beim EM-Finale

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Von: Leon Malte Cilsik

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Auf Großleinwand können Fußballbegeisterte das Endspiel der deutschen Elf am Sonntag in Nanni’s Kirchhahn verfolgen.
Auf Großleinwand können Fußballbegeisterte das Endspiel der deutschen Elf am Sonntag in Nanni’s Kirchhahn verfolgen. © Gollnow/DPA

Auch in Lüdenscheid fiebern lokale Akteure dem Endspiel entgegen. Doch schwingt hier die leise Hoffnung mit, dass der Aufschwung rund um den Frauenfußball auch nach dem Spiel am Sonntag erhalten bleibt und dem Vereinsleben zugute kommt.

Lüdenscheid – Die Europameisterschaft der Frauen in England hat international eine riesige Euphoriewelle ausgelöst und schon jetzt alle bestehenden Rekorde gebrochen – vor Ort sowie im TV. Wie die UEFA am Dienstag bekanntgab, ist die vorherige Bestmarke von 164 Millionen Gesamt-Zuschauern bereits seit dem Viertelfinale übertroffen. Schon vor den letzten Gruppenspielen kamen mehr Zuschauer in die Arenen als je zuvor. Für das Endspiel in Wembley sind bereits alle 90 000 Tickets verkauft. Auch in Lüdenscheid fiebern lokale Akteure dem Endspiel entgegen. Der Finaleinzug der Deutschen Elf nötigt ihnen großen Respekt ab. Doch schwingt hier die leise Hoffnung mit, dass der Aufschwung rund um den Frauenfußball auch nach dem Spiel am Sonntag erhalten bleibt und dem Vereinsleben zugute kommt.

Die Lüdenscheiderin Kyra Jendrek spielt seit 2005 für den LTV 61 und erlebte mit der Damenmannschaft dabei unter anderem den zwischenzeitlichen Aufstieg in die Landesliga. „Die Spiele mit deutscher Beteiligung hatten allesamt einen hohen Unterhaltungswert“, sagt Jendrek, die beim mittlerweile wieder in der Kreisliga spielenden LTV 61 mehr und mehr in ihre Rolle als Co-Trainerin hineinwächst. Dadurch lege sie beim Schauen den Fokus aber auch stärker auf taktische Aspekte, als noch vor einigen Jahren: „Die Engländerinnen sind mir im Finale lieber als ein erneutes Duell mit Spanien. Gegen deren Ballbesitzfußball würden wir uns wieder sehr schwer tun. So glaube ich an unser Team – und an Alexandra Popp.“

Ein knapper Sieg für die deutsche Elf lautet daher ihre Prognose, der sich Marco Lagoudakis, Trainer der Damenmannschaft vom FFC Lüdenscheid, nur anschließen kann. „Zwei zu eins wird es ausgehen“, tippt er. Die Deutschen hätten den deutlich schwierigeren Weg ins Finale gehabt und würden nun auch im Endspiel davon profitieren können. „Aber 90 000 Fans in Wembley, von denen uns 85 000 verlieren sehen wollen, sind auch nicht zu unterschätzen“, wirft Lagoudakis ein.

Soviel zur Finaleinschätzung der beiden Vereinsgrößen. Doch kann sich die bundesweite Euphoriewelle auch über die EM hinaus auf den Lokalsport auswirken? „Im Jugendbereich wohl eher als bei den Damen“, schätzt Jendrek, „Mit dem Alter wird die Hemmschwelle immer größer. Daran ändert auch ein geschautes Fußballspiel nichts.“ Trotzdem lädt sie jede Fußballbegeisterte herzlich zu einem Probetraining auf dem Sportplatz Honsel ein.

„Natürlich ist die Berichterstattung aktuell so umfangreich wie nie zuvor – und das ist auch gut so. Aber ob das auch einen nachhaltigen Effekt hat, wird sich erst nach den Ferien zeigen“, sagt Lagoudakis. Mit 14 Jahren Erfahrung im Jugendfußball sieht auch er die Chancen auf einen Effekt in diesem Bereich größer. „Ich glaube aber, dazu hätte die Europameisterschaft in Deutschland stattfinden müssen. Stadionbesuche gemeinsam mit der Mannschaft hätten viel bewirken können.“

Dennoch sind Jendrek und Lagoudakis überzeugt: Schaden kann die gewachsene Aufmerksamkeit dem Frauenfußball nicht – genauso wenig wie mehr Spielerinnen dem Amateurbereich und bessere Arbeitsbedingungen den Profisportlerinnen.

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