Opfer benennen Mitwisser

Missbrauchsfälle in Brügge: Evangelische Kirche informiert die Gemeinde

Corona in Niedersachsen: Evangelische und katholische Kirchen wollen an den Präsenzgottesdiensten an Ostern festhalten. (Symbolbild)
+
Symbolbild

Mindestens 30 Jahre lang hat sich ein ehrenamtlicher Jugendbetreuer, der für die evangelische Kirchengemeinde Brügge und den CVJM Lüdenscheid-West tätig war, sexuell an Jugendlichen vergangen. Am Mittwochabend informierten Pfarrer Simon Schupetta, die Presbyter sowie Alfred Hammer, Vorsitzender des Interventionsteams, in einer Online-Gemeindeversammlung über den aktuellen Stand der Erkenntnisse.

Lüdenscheid - Demnach gab zwar nur einen Beschuldigten, der sich der Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung schuldig gemacht hat. „Es gab aber weitere Verantwortliche, die nach derzeitigen Erkenntnissen eine Pflichtverletzung begangen haben“, teilte Matthias Willnat, Pressesprecher der Kirchenkreises, am Abend mit. Es seien Indizien und Beweise zusammengestellt und an die beschlussfassenden Gremien weitergereicht worden.

Nach Vorlage der Ergebnisse haben die Gremien haben das das Presbyterium, der Kirchenkreis, der Kreissynodalvorstand und das Landeskirchenamt laut Willnat „zum Teil schon Beschlüsse gefasst mit Konsequenzen für Menschen, die einer Pflichtverletzung beschuldigt werden. So wurden auf der Ebene der Landeskirche Disziplinarverfahren gegen Pfarrer eröffnet“. Die Anschuldigungen müssten sorgfältig geprüft werden. „Das gilt auch für den Vorwurf, Verantwortliche in der Kirchengemeinde hätten von Taten gewusst und tatenlos geschwiegen.“

Die Opfer haben dem Bericht des Kreiskirchenamtes zufolge in ihren Äußerungen zu dem, was ihnen angetan worden ist, auch Namen von möglichen Mitwissern genannt. Nach dem Selbstmord des Beschuldigten haben staatliche Behörden ihre Ermittlungen zwar beendet. In der Erklärung heißt es weiter: „Die Kirche aber will weiter Aufklärung, Aufarbeitung und alles Mögliche tun, damit die Beschuldigten Gerechtigkeit erfahren.“

Es gebe das gute Recht, die sexuelle Gewalt aufzuklären und aufzuarbeiten. „Wann diese Arbeit beendet sein wird, ist derzeit noch nicht absehbar.“

Gemeindepfarrer Simon Schupetta sagte am Abend, er wisse, „dass die Gemeinde sehr viele Fragen bewegt: Habe ich die Augen zu gemacht? Gibt es auch weitere Täter? Betrifft dies auch andere Gruppen? Wie konnte so etwas in der Mitte unserer Gemeinde entstehen?“. Er erlebe „große Betroffenheit, Trauer, Entsetzen und Wut in der Gemeinde“. Man wisse heute: „Es gab ein System, das Missbrauch nicht verhindert und so lange möglich gemacht hat.“

Pfarrer Schupetta schloss seinen Bericht mit dem Appell an die Gemeindemitglieder: „Die Vorfälle der Vergangenheit sind Verantwortung für die Zukunft! Lasst uns alles dafür tun, auch wenn es schmerzhaft ist, genau hinzuschauen und nicht aus falschverstandener Nächstenliebe oder Angst wegschauen, damit sich Menschen in unserer Gemeinde wieder sicher fühlen können.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums, Eberhard Reich, kündigte an, die Gemeindeleitung werde „mit Hochdruck an einem neuen Konzept für die Jugendarbeit in der Gemeinde“ arbeiten. Schulungen für Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit haben demnach bereits stattgefunden. Weitere Schulungen „als Vorbereitung des Gesamtkonzeptes“, sind in Zusammenarbeit mit dem Märkischen Kinderschutz-Zentrum für Mai geplant.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare